Im Podium: Gerd Rainer Weber, Dagmar Ensch-Engel, Alexander Schwehm, Ilka Desgranges, Peter Strobel, Gisela Kolb, Hubert Ulrich; Foto: Cornelia Noll
Im Podium: Gerd Rainer Weber, Dagmar Ensch-Engel, Alexander Schwehm, Ilka Desgranges, Peter Strobel, Gisela Kolb, Hubert Ulrich; Foto: Cornelia Noll

Im Vorfeld der Landtagswahl 2017 hatte die AKS Vertreter aller im Landtag vertretenen Parteien zur Diskussion der berufspolitischen Forderungen der saarländischen Architektenschaft ins Haus der Architekten eingeladen.
 
Kammerpräsident Alexander Schwehm unterstrich erneut den Wunsch nach einem Bauministerium. „Die Zuständigkeiten müssen in einer Bauverwaltung gebündelt werden. Fach- und sachkundige Ansprechpartner sind nötig, um ein für alle Beteilig-ten zufriedenstellendes Baugenehmigungsverfahren zu gewährleisten – insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Bauen immer komplexer wird.“

Weitgehende Einigkeit herrschte bei den Diskussionsteilnehmern hinsichtlich dieser AKS-Forderung. Nur Gisela Kolb, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, bezeichnete ein Bauministerium nicht als Allheilmittel: „Damit sind nicht alle Probleme gelöst.“ Aus Kostengründen soll das Bauressort an ein bestehendes Ministerium angegliedert werden, so die Auffassung aller Parteien.

Die AKS mahnt in ihrem 4. Wahlprüfstein den Vorbildcharakter öffentlicher Bauten an, sowohl hinsichtlich der Qualität als auch hinsichtlich der Angemessenheit der Baukosten. Unumgänglich war daher die Diskussion um die kurz zuvor bekannt gewordene Verteuerung des Ludwigsparkstadion-Umbaus in Saarbrücken von 20 Mio. auf 28 Mio. Euro.

Vor diesem Hintergrund fragte Dr. Ilka Desgranges (Saarbrücker Zeitung), Moderatorin des Abends: „Gibt es die Angst des Politikers vor der richtigen Zahl?“ Einhellig sprachen sich die Anwesenden – erwartungsgemäß – dafür aus, dass von Anfang an die richtigen Zahlen genannt werden sollten. Gerd Rainer Weber, Vorsitzender der Piratenpartei, attestierte den Politikern eine gewisse „Ahnungslosigkeit gegenüber Zahlen“ und mahnte an, dass eine „überwachende Bauverwaltung die Planung unter die Lupe nehmen“ müsse. Und Hubert Ulrich, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/ Die Grünen, bezweifelte die Höhe der aktuell genannten Baukosten für das Stadion. Nach Aussage von Peter Strobel (stv. Fraktionsvorsitzender der CDU) bleibt der Landeszuschuss trotz der Kostensteigerung unverändert. Aber: Man müsse neu planen, seriös planen. „Man kann nicht einfach so weiter-machen.“

In einer Bündelung der Zuständigkeiten, die derzeit auf unterschiedliche Ministerien verteilt sind, sieht Kammerpräsident Schwehm große Vorteile: „Dies ermög-licht einen intensiveren Austausch und einen Zeitgewinn.“

Auch der Zustand der Dörfer und der Stellenwert von Architektur und Baukultur wurden thematisiert. Gisela Kolb sprach sich dafür aus, die Schuldenbremse zu hinterfragen: „Kommunen müssen in der Lage sein, Städtebaufördermittel abzurufen.“ Für Hubert Ulrich ist der ländliche Raum, insbesondere im Saarland, ein „Problemkind“. Der ländliche Raum müsse wieder attraktiver werden, und dazu gehörten lebendige Ortskerne. Das „Bauhaus-Syndrom“ ist aus Sicht von Dagmar Ensch-Engel ein großes Problem – besonders, „wenn diese Bauhaus-Buden noch vergammeln“. Sie plädiert dafür, ein Programm aufzulegen, das auch Mut zum Rückbau hat. Für Gerd Rainer Weber besteht eine Chance darin, wenn Kommunen (leerstehende) Gebäude aufkaufen. „Der Wille der Ortsräte ist da, aber kein Geld“.

Auch das Publikum meldete sich zu Wort. „Man kann lange nach Qualität suchen im Saarland“, sagte Architekturkritikerin Marlen Dittmann. „Es fehlen hier Entscheider, die Mut haben, zu ihren Entscheidungen zu stehen.“ Kammermitglied Henning Freese plädierte für die Auslobung offener Architektenwettbewerbe. Und Martin Luckas, Geschäftsführer des Landkreistages, warnte vor den negativen Folgen einer Bündelung von Zuständigkeiten. Dies habe sich beim Beispiel Denkmalschutz gezeigt. Hier seien die „Kümmerer nicht mehr in der Fläche präsent“. Weiterhin forderte er, Gestaltungssatzungen sollten „eigentlich eine kommunale Pflichtaufgabe“ sein.

In seinem abschließenden Statement brachte es Hubert Ulrich auf den Punkt: Die öffentliche Hand hat eine Vorbildfunktion, der sie wieder stärker nachkommen muss. Die Kompetenzen der Bauämter sollten stärker genutzt werden. Nicht bei jeder Gelegenheit ist ein Projektsteuerer erforderlich, schon gar nicht beim Bau eines Kindergartens. „Das kriegen die Architekten durchaus selbst hin.“ Den Freien Berufen sollte mehr Gestaltungsraum gelassen und geboten werden. Und: Die Zugangskriterien bei Vergabeverfahren und Wettbewerben sollten niedriger angesetzt werden, um auch saarländischen Architekten eine Teilnahme zu ermöglichen. Alle Parteien forderte er auf, sich für den Erhalt der HOAI einzusetzen. Hier gehe es nicht nur um die Entlohnung, sondern auch um die Qualität. Diesen Aussagen konnte Kammerpräsident Schwehm nur zustimmen. 

Cornelia Noll / Anne-Christin Backes

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