Heiko Lukas und Till Schneider, Foto: Iris Maurer
Heiko Lukas und Till Schneider, Foto: Iris Maurer

Auch Industriebauten sollten gut gestaltet und nachhaltig sein, verdienen Baukultur, sind sie doch oft von weither in der Landschaft sichtbar. Dies ist das Plädoyer von Till Schneider (schneider+schumacher Planungsgesellschaft GmbH, Frankfurt am Main). Er findet, dass Industriebauten oftmals nicht allzu große Bedeutung beigemessen wird und diese als „Kisten mit Trapezblechverkleidung neben Autobahnen“ stehen. Dass es auch anders geht, zeigte der Architekt und Stadtplaner in seinem beeindruckenden Werkvortrag für die Stiftung Baukultur Saar.

Über die berühmt gewordene Infobox am Potsdamer Platz in Berlin kam der erste Auftrag eines anspruchsvollen Industriebaus – der „Lichtfabrik“ für ERCO in Lüdenscheid (2000 – 2001) – zustande. Als Hochregallager „eine relativ banale Bauaufgabe“, wie Schneider meint, die insbesondere den Entwurf einer Hülle und eines Daches zur Aufgabe hatte. Die Fassade aus Gussglas „überspannt das ganze Gebäude“, „es verschleiert und mystifiziert“. Gemeinsam mit dem Lichtplaner gelang es, „das Gebäude so zu inszenieren, dass es vom Know-how der Firma ERCO erzählt und unterschiedliche Lichtszenarien zeigt.“

Bei allen vorgestellten Industriebauten wurde deutlich: Es gibt ein Thema, das  die Arbeit, die Produkte, das Angebot des Bauherrn am Gebäude sichtbar machen und symobolisieren soll. 

Wie bei ERCO waren die Auftraggeber häufig Familienunternehmen mit ambitionierten Ansprüchen. So zum Beispiel auch die saarländische Firma Hager, für die das Büro mehrfach baute (ab 2004) – neben einigen Bauten am Firmenstandort in Blieskastel (Produktions-, Lager-, Bürogebäude, Logistikzentrum) auch im elsässischen Obernai. „Es ging zuerst mal um die Fassade“, führte Schneider aus. Übergeordnetes Motto war hier der Vortragstitel „an-aus“, der auf das Thema Strom anspielt. Strom fließt oder fließt nicht. Und im übertragenen Sinne: Es gibt tragende und nichttragende Elemente. Dies ist beim klar gegliederten, streifenförmigen Fassadenraster deutlich ablesbar und wurde bei allen Gebäuden angewendet.

Beim Bau für die Firma Fronius im österreichischen Thalheim bei Wels (2011), die mit hochspezialisierter Schweißtechnologie befasst ist, stand als Entwurfsidee der österreichische Bauernhof als „Vierkant“ Pate. Die Idee eines von außen mit Gebäuden gefassten Rechtecks mit innerer Freifläche findet sich hier in zeitgenössischer Interpretation wieder. Leitgedanke bei Fronius ist die Überführung von einem in den anderen Zustand − wie dies beim Schweißen erfolgt. Gewählt wurde eine zweischalige Bandfassade, deren Brüstungsbereich „mit Spiegeln versehen“ wurde. Sich öffnende und schließende Trommeln zwischen den Fensterelementen lenken die Luftströme der Jahreszeit entsprechend. 
 
Grundsätzlich bekannte Schneider: „Wir setzen nicht auf den schnellen Effekt. Gebäude müssen praktikabel sein. Die Struktur muss so sein, dass sie veränderbar ist.“ schneider+schumacher befassen sich neben Architektur und Städtebau auch mit den Bereichen Bau- und Projektmanagement, Design, Kinetik und Parametrik. Ihre Maxime ist, „nach Strategien zu suchen. Wir haben keine Handschrift, die auf 100 Meter erkennbar ist“, resümierte Schneider.  

Cornelia Noll

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