Eine Arbeitsgruppe der AKS beschäftigt sich mit der Realisierbarkeit des digitalen Genehmigungsverfahrens

Text: Cathrin Moll

Wir befinden uns in Zeiten des Wandels. Alle Welt spricht darüber, keiner scheint sich mehr entziehen zu können. Dennoch ist der Abstraktionsgrad für manch einen noch so hoch, dass er orientierungslos in den Informationsfluten über den aktuellen Prozess der „Digitalisierung“ auf einer Welle mitzuschwimmen scheint, von der er nicht weiß, wohin sie ihn trägt. Sieht man jedoch genauer hin, konkretisiert sich bereits einiges.

E-Government lautet das Stichwort. Digitalisierung wird greifbar – langsam, aber sicher. Und wir Architekten der Kammer des Saarlandes wollen gemeinsam mit der Landesregierung ein weiteres greifbares und konkretes Projekt der Digitalisierung auf den Weg bringen: den digitalen Bauantrag. Ein Projekt, welches wir uns sehnlich herbeiwünschen. Warum? Hierfür gibt es gleich mehrere Gründe.

Was versprechen wir uns davon, wenn in Zukunft das Baugesuch digital vonstattengehen soll? Natürlich fallen uns Architekten direkt die Papiermassen ein, die bei jedem Baugesuch anfallen. Die freien Büros würden Kosten sparen, weil sie nicht bei jeder noch so kleinen Änderung mehrere komplette Plansätze ausdrucken und wieder verschicken müssten. Und damit täten wir auch unserer Umwelt etwas Gutes, weil wir nicht mehr so viel Papier verschwenden müssten.

Aber ein weitaus größerer Vorteil des digitalen Bauantrags wäre, dass ein solches Verfahren tatsächlich „standardisiert“ wäre, unabhängig davon, welcher Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht (UBA) gerade für das Gebiet zuständig ist. Wir versprechen uns dadurch mehr Transparenz. Bauherren, Architekten und beteiligte Stellen könnten jederzeit in den Prüfungsprozess Einsicht nehmen. Eine benutzergeführte Matrix zum Ausfüllen der Antragsformulare, ähnlich wie bereits beim statistischen Erhebungsbogen, würde die Antragstellung wesentlich vereinfachen.

Alle beteiligten Stellen könnten zugleich und nicht, wie zurzeit meist üblich, nacheinander beteiligt werden. Die ohnehin bereits überlasteten UBA-Mitarbeiter könnten sich auf  ihre eigentliche Arbeit konzentrieren.

Der Genehmigungsprozess ginge schneller und somit auch effizienter vonstatten, was uns zu einem der wichtigsten Gründe für den digitalen Bauantrag führt. Denn jeder weiß, Langsamkeit ist eines der meist gefürchteten Hemmnisse für Investoren. Das heißt im Klartext: Durch ein schnelles, effektives digitales Baugenehmigungsverfahren gewinnt das Saarland als Investitionsstandort viel an Attraktivität.

Hiervon würden wir also alle profitieren: das Land, die Wirtschaft, wir Architekten. Und deswegen wollen und müssen wir diese Sache voranbringen. Hindernisse und Hürden wird es hier wie überall geben. Doch wir Leute vom Bau sind das gewöhnt. Hindernisse werden beseitigt, Hürden überwältigt und dann kann etwas Neues und Gutes entstehen. 

Demnach haben wir nicht die Minimalversion im Auge, die sich lediglich mit PDFs einen holprigen Weg durch ein scheinbares Labyrinth von Hürden und Hindernissen in die Digitalisierung bahnt. 

Nein, wir wollen das elegante, schnittige Modell, das uns mit Eingabe der Parzellennummer in eine höhere Sphäre der Katasterauszüge, Bebauungspläne und Baulastenverzeichnisse „beamt“.