Foto: Iris Maurer
Foto: Iris Maurer

Andreas Garkisch, „versierter Wohnungsbauer“ aus München, war Referent der zweiten Veranstaltung der Stiftung Baukultur Saar. Anhand seines umfassenden Werks (Studien, Städtebau, realisierte Wohngebäude) stellte er dar, welche Möglichkeiten Städte haben, qualitätvollen, aber bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, fernab von der üblichen „Stangenware und Punkthäusern, die alle gleich aussehen“. Auch wenn die Bedingungen in München und Umgebung nicht auf das Saarland übertragbar sind, gaben die vorgestellten Projekte dennoch Impulse für den hiesigen Wohnungsbau.

Garkisch führt mit seinen Partnern Karin Schmid und Michael Wimmer das Büro 03 Architekten in München. Seinem Vortrag stellte er eine wichtige These voran: „Wenn der eine Wohnraum wächst, schrumpft der andere.“ Denn die Anzahl der Bewohner Deutschlands werde trotz Aufnahme von Flüchtlingen nicht explosionsartig zunehmen, sondern eher zurückgehen.

Ganz eindeutig: In München wächst der Wohnraum. München als globale Großstadt sei nicht nur Ballungszentrum, sondern Boomtown und ein Wirtschaftsmotor, der funktionieren müsse. Das Mietniveau der Kernstadt läge mittlerweile bei 20 Euro pro Quadratmeter und höher (In Saarbrücken sind es elf Euro, Quelle: IDV West).

München hat eins zuhauf: Arbeitsplätze. Damit für die vielen Zuzügler preisgünstiger Wohnraum geschaffen wird, gibt es u. a. die Auflage der „sozialen Bodennutzung“. Investoren müssen einen Teil für sozialen Wohnungsbau und dessen Infrastruktur aufwenden. Das funktioniere, weil die Stadt nicht auf Investoren angewiesen sei – umgekehrt aber schon.

Auch München war nicht immer eine Großstadt; sie wurde „von nur einem König“ als kleine Residenzstadt erbaut. Nun sei es wichtig, dass sie ihre Lebensqualität nicht verliere, plädierte Garkisch. Die Veränderung der Stadt müsse bewusst und aktiv erfolgen. Und man könne die Stadt nicht isoliert betrachten, sondern nur im Verbund mit ihrem Umland.

Mobilität spielt dann eine große Rolle. Insbesondere bei den unterschiedlichen Wohnformen auf dem Land und in der Stadt. Die Eigentümer des Einfamilien- oder Reihenhauses, das „zwar winzig ist, aber meins“, treffen auf die Befürworter der städtischen Geschosswohnung in gut ausgestatteter Infrastruktur. „Man muss einen Weg finden, nach und nach die Mobilität zu verändern. In München gibt es gute Car-Sharing-Angebote, und man muss zeigen, dass fünf Kilometer mit dem Fahrrad kein großer Weg sind.“ Die Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs ist offensichtlich: Gerade Grundstücke an S- und U-Bahn-Knotenpunkten sind begehrt.

Da aber das Einfamilienhaus seit den 1950er/1960er Jahren nicht nur „eine Lebensform, sondern auch eine Absicherung, eine Form der Kapitalbildung“ ist, sind viele Zuzügler aus dem Umland Nähe gar nicht gewohnt. Deswegen ist „Nähe eine kulturelle Herausforderung“, und damit eine  planerische Aufgabe für Architekten.
„Wenn Sie als Architekt Städtebau machen, generieren sie besondere Formen. Sie schaffen Eckwohnungen, sie schaffen Nord-Ost-Wohnungen, sie schaffen Grundrisse mit 23 m Tiefe. Damit stellen Sie Investoren, aber auch die später planenden Architekten vor Herausforderungen.“ Garkisch lässt die Kollegen also schwitzen. Wenn aber z. B. trotz schwieriger Belichtungssituation gute Grundrisse entstehen, sind diese Wohnungen sogar am schnellsten vermietet;  sie sind günstiger als die anderen. Und die Bewohner seien glücklich und fühlten sich wohl, berichtete Garkisch.

Eines der vorgestellten Projekte entwarf Garkisch als Blockrand. Denn diese Bauform konnte im Vergleich zu einzelnen Stadtvillen den geforderten Schallschutz erbringen. Sein Credo: „Unser Ziel sind Häuser, die Teil der Stadt werden.“ Ein schlichter Wunsch mit viel Potenzial.  

Melden Sie sich hier für unser Newsmagazin an