Petra Scheidhauer berichtete über die Christuskirche in Bruchhof-Sanddorf (Foto: Michelle Mehler)
Petra Scheidhauer berichtete über die Christuskirche in Bruchhof-Sanddorf (Foto: Michelle Mehler)

Mit dem Wettbewerb „Kirchengebäude und ihre Zukunft“ hat sich die Wüstenrot Stiftung einem hochaktuellen Thema angenommen. Denn viele  Gemeinden und kirchliche Institutionen müssen Strategien finden, wie sie mit ihrem Gebäudebestand umgehen. „Der demografische Wandel, sinkende Mitgliederzahlen der Kirchen und gesellschaftliche Veränderungen bedingen geänderte Nutzungsanforderungen. Und hohe Kosten für die Unterhaltung sowie den Betrieb der Kirchengebäude und Gemeindezentren stellen eine weitere große Herausforderung dar“, führte AKS-Präsident Alexander Schwehm anlässlich der Ausstellungseröffnung am 27. April aus. „Die Frage ist, mit welchen Maßnahmen das Gemeindeleben heute und auch in Zukunft reibungslos funktionieren kann. Hier braucht es ein Umdenken, und hier ist Kreativität gefragt. Und: Es braucht eine gute Zusammenarbeit und einen engen Zusammenhalt der Beteiligten.“

„Bis heute sind Kirchen Bauwerke mit großer Bedeutung und mit hoher Symbolkraft“, erklärte Dr. René Hartmann, Projektleiter bei der Wüstenrot Stiftung. Es  sind „besondere Orte“, „Orte der Besinnung“ und darüber hinaus „Orte der Identifikation“ (Beispiel Gedächtniskirche in Berlin). Für die heutigen Erfordernisse gibt es jedoch zu viele Kirchen. Und schwierige finanzielle Rahmenbedingungen (aufgrund gesunkener Mitgliederzahlen) erfordern Entscheidungen, wie viele und  welche Kirchengebäude erhalten werden (können). „Es gibt in Deutschland 45.000 Kirchen, 40.000 davon sind denkmalgeschützt“, erläuterte Hartmann; ein Drittel bis ein Viertel stehe zur Disposition. Und er betonte: „Um Baudenkmale zu erhalten, müssen diese eine Nutzung haben“.

Die Zukunft der Kirchengebäude ist eine wichtige baukulturelle und gesellschaftliche Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte. Dies war Triebfeder für die Wüstenrot Stiftung, das Thema aufzugreifen und gelungene realisierte Projekte auszuzeichnen. Die Ausstellung machte anschaulich, dass es bessere Lösungen als die Schließung und Zusammenlegung von Gemeinden gibt. Gezeigt wurden die wichtigsten Ergebnisse des Wettbewerbs: 9 Kirchengebäude, die von einem unabhängigen Preisgericht mit einem Preis, einer Auszeichnung oder einer Anerkennung prämiert wurden. Und darüber hinaus 11 weitere Gebäude der engeren Wahl. Deutlich wurde, welch vielfältige Konzepte und bauliche Lösungen möglich sind, um heutigen und künftigen Ansprüchen gerecht zu werden.

Auch ein im Saarland realisiertes, vorbildliches Projekt war in der Ausstellung zu sehen: die protestantische Kirche in Bruchhof-Sanddorf. Pfarrerin Petra Scheidhauer berichtete anschaulich, wie das Bauvorhaben – trotz vieler Hürden – gelingen konnte: mit einem kostengünstigen, intelligenten Konzept und dem großen  Engagement aller Beteiligten.

Durch die Drehung des Kirchenraums um 90 Grad gelang es, die kleine Christuskirche (Baujahr 1928) zu einem „Multifunktionsgebäude“, einem Kirchenzentrum umzubauen, das von der Gemeinde angenommen und für vielfältige Zwecke genutzt wird. „Wir (Professor Dirk Bayer und ich) waren fast täglich auf der Baustelle“. Dass der Umbau gelungen ist und sich die Anstrengungen gelohnt haben, zeigt auch der Erfolg beim Wettbewerb der Wüstenrot Stiftung, bei dem das Projekt mit einer Anerkennung gewürdigt wurde. Zu Recht ist Petra Scheidhauer auf das Ergebnis stolz. 


Cornelia Noll
 

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