Klaus Daniels (Mitte) im Gespräch mit Anke Fellinger-Hoffmann, Jens UKFW Stahnke, Frank Rogmann und Daniel Kleineher, Foto: Iris Maurer
Klaus Daniels (Mitte) im Gespräch mit Anke Fellinger-Hoffmann, Jens UKFW Stahnke, Frank Rogmann und Daniel Kleineher, Foto: Iris Maurer

Klaus Daniels kann Geschichten erzählen − lehrreiche Geschichten. Dabei greift er auf den Fundus seiner über 50-jährigen beruflichen Erfahrung zurück. Der emeritierte Professor und führende Ingenieur im Bereich des ökologischen Bauens referierte im Rahmen der Vortragsreihe „Stadt − Land – Wohnen“ der Stiftung Baukultur Saar.

Jens UKFW Stahnke, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Baukultur Saar, erläuterte in seiner Begrüßung, wie wichtig er es fände, dass sich „unsere Fachrichtungen“ gemeinsam präsentieren, und dafür bot dieser Abend eine besondere Gelegenheit. Er brachte Architekten und Ingenieure zusammen. Stahnke leitete an Dr.-Ing. Frank Rogmann weiter, den Präsidenten der saarländischen Ingenieurkammer, die den Vortrag mit unterstützte. Rogmann lieferte dem Publikum einen Abriss der erhöhten Anforderungen an das ökologische Bauen der letzten 20 Jahre und die damit verbundenen gestiegenen Kosten.

„Nachhaltigkeit wird total missbraucht“, stellte Daniels zu Beginn seines Vortrags klar. Ohne auf das nachhaltige Bauen eingehen zu müssen, hatte jeder im Raum am Ende des Abends verstanden: Daniels spart bei allen seinen Projekten Energie ein und schont Ressourcen. Dabei greift er auf ein einziges Mittel zurück: „Viel Fantasie“. Diese solle nicht nur der Architekt mitbringen, sondern auch jeder Ingenieur: „Ich will versuchen, Ihnen zu erklären, wie man als Ingenieur denken kann.“

Daniels hatte 2 Projektbeispiele mitgebracht: den Stuttgarter Hauptbahnhof (Stuttgart 21) und ein Weinlager in Tatti, Italien. „Wir benutzen nur das, was wir vor Ort vorfinden“, erläuterte er seine Konzeptfindung. Im Team mit Christoph Ingenhoven und Frei Otto entwickelte er für Stuttgart 21 Elemente, die eine natürliche Belichtung und Belüftung ermöglichen. Denn das sei „das Interessante am Ingenieurwesen“; man könne sich „in den Planungsprozess einbringen und im Team mit Architekten und Ingenieuren neue Wege gehen“.

Den Weinkeller in Italien konstruierte er für einen Schweizer Schauspieler. Die Idee war, ein Gebäude als stilisierte Amphore halb in der Erde zu versenken. Klaus Daniels plante ein „Thermolabyrinth“ in der Erde zum Beheizen des Gebäudes. Als Professor an der ETH Zürich forschte er zur Aerophysik mithilfe eines Windkanals. Diese Erkenntnisse bringt er in die Projekte ein. Denn das Wissen um Windgeschwindigkeiten und Strömungen kann man nutzen, um ein Haus natürlich zu belüften.

Nach Daniels „sollten wir ein Haus bauen, das im Winter seinen Wintermantel anzieht und im Sommer auszieht“. Denn veränderbare Fassadenstrukturen, die auf Jahreszeiten eingehen, helfen, im Inneren auf Technik zu verzichten. Als Beispiel nannte er den Westhafentower in Frankfurt am Main von Schneider + Schumacher. Dieser kann sein Fassadenkleid „aufplustern ähnlich eines Vogels“.

Daniels appellierte an alle – Architekten, Ingenieure und Bauherren – gleichermaßen, nicht nur an die Kilowattzahlen zu denken. Sondern zunächst zu überlegen, was „mir der Stadtraum“ bietet und daraus ein „Thema zu stricken“. Und das vor allem mit einem: „viel Fantasie“!

Kim Ahrend

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