Die Redner: Klaus Bouillon, Alexander Schwehm und Roland Mönig; Foto: Tom Gundelwein
Die Redner: Klaus Bouillon, Alexander Schwehm und Roland Mönig; Foto: Tom Gundelwein

Gute Aussichten für die saarländischen Architekten und die saarländische Baukultur

Text: Kim Ahrend

Die Architektenkammer des Saarlandes (AKS) nutzte die Chance und kehrte mit ihrem Neujahrsempfang wieder an den ursprünglichen Veranstaltungsort zurück: die wiedereröffnete Moderne Galerie. In festlichem Rahmen trafen sich rund 130 Gäste aus der Architektenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, von Verbänden und der Hochschule. 

Hausherr Dr. Roland Mönig begrüßte die Gäste. Für ihn sei es ein tolles Zeichen, dass die saarländischen Architekten ihr neues Jahr in der Modernen Galerie, entworfen vom ehemaligen Kammerpräsidenten Hanns Schönecker, beginnen.
Wie bereits im vergangenen Jahr gab es durch das bewusst knapp gehaltene Vortragsprogramm genügend Zeit für anschließende Gespräche mit Politik und Kollegenschaft beim „Politischen Get-together“. Inhalte boten die beiden Reden von Kammerpräsident Alexander Schwehm und Bauminister Klaus Bouillon.

An den Anfang seiner Neujahrsansprache stellte Schwehm die größte Veränderung für die saarländischen Architektinnen und Architekten: Die Schaffung eines Bauministeriums bzw. die Umgestaltung des Innenministeriums zum Ministerium für Inneres, Bauen und Sport. Damit sei die Regierung einem Wunsch der Kammer gefolgt, bekräftigte Schwehm. Bereits im Sommer hat der AKS-Vorstand seine Erwartungen an das künftige Bauministerium formuliert. Schwehm ist sich sicher, dass der Minister versuchen wird, diesen Erwartungen wie z. B. „der Fokussierung auf die Bauherrenfunktion, dem Wunsch nach mehr Planungswettbewerben und der stärkeren Förderung der Baukultur“ gerecht zu werden.

Sodann bestätigte der Minister in seinem Grußwort, Schwehm und er seien „auf einer Linie“. „Bauen ist mit das Wichtigste“, fasste der Minister zusammen. Und er betonte, es läge im Land nicht am fehlenden Geld. Das Ministerium habe ein „Umsetzungsproblem“ aufgrund fehlenden Personals. „Ich bin kein Copperfield und habe keinen Zauberstab“, so Bouillon. Deswegen brauche er die Unterstützung von kompetenten Architekten und Ingenieuren. Im Jahre 2018 stünden 9 Mio. Euro Planungskosten zur Verfügung, die er gerecht verteilen wolle. Und er versicherte: „Alles was möglich ist im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen, soll an Aufträgen in diesem Lande bleiben.“

Gerade hinsichtlich der Wettbewerbs- und Vergabekultur im Land wünscht sich die Architektenkammer die Auslobung von mehr Wettbewerben. „Die Bauaufgaben des Landes haben Signalwirkung für unsere gebaute Umwelt, und Wettbewerbe sind das beste Mittel zur Sicherstellung hoher Planungsqualität“, führte Schwehm aus. Die Statistik verdeutlicht: 2017 wurden deutlich mehr Wettbewerbe bei der AKS registriert als in den Jahren zuvor. 

Zwei künftige Bauvorhaben hob Kammerpräsident Schwehm hervor: den Ersatzneubau der Fechinger Talbrücke und das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit. Hier bringe ein „Planungswettbewerb ein optimales Ergebnis für alle Beteiligten“. Man hoffe auf weitere konstruktive Gespräche mit der Landesregierung. 

„Das Grundstück ist gekauft, die Finanzierung gesichert, Helmholtz kann losgehen“, brachte es der Minister später in einfachen Worten auf den Punkt. 

Ende Januar zieht das Ministerium um, und Bouillon hofft auf eine effizientere und schnellere Bearbeitung von Baumaßnahmen im Land, ganz ohne Reibungsverluste.

Ein Thema liegt Schwehm besonders am Herzen: „Investitionen in die nächsten Generationen“. Es solle nicht nur das Nötigste investiert werden. „Sanierungsstau ist meiner Meinung nach Synonym für verkommen lassen“, erläuterte Schwehm seine Gedanken. Der Fokus solle auf den alltäglichen Bauaufgaben liegen – und vor allem auf Schulen. Es sei zwingend erforderlich, die Gebäude in einen optimalen Zustand zu versetzen. „Denn unsere Kinder und ihre Ausbildung sind die wichtigsten Ressourcen, die wir haben“, rief der Kammerpräsident allen ins Gedächtnis.

Zum Thema Investitionen konnte Bouillon berichten, dass den Kommunen bis 2022 über Förderprogramme und Bedarfszuweisungen 1 Mrd. Euro Zuschüsse zur Verfügung stünden. Das Problem sei der Vollzug. Aus diesem Grund brauche er die Unterstützung von allen.

Am Ende zeigte sich, gegenseitige Unterstützung ist für beide Redner die große Aufgabe für das neue Jahr.

Die komplette Neujahrsrede des Präsidenten finden Sie im Anhang.