Foto: Iris Maurer

Weiterbauen“, dem Motto, unter das die Stiftung Baukultur Saar in diesem Jahr ihre Vorträge gestellt hat, eignet eine gewisse Mehrdeutigkeit wie auch eine Selbstverständlichkeit: Dass weiterhin gebaut werden muss, liegt für Architekten auf der Hand. Doch bleibt die Frage, wie, vor allem aber, wo es geschieht.

Für den in Mailand ein Büro führenden Architekten und an der ETH Zürich als Professor für Geschichte des Städtebaus lehrenden, ehemaligen Direktor des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, Dr. Vittorio Magnago Lampugnani, kann das nur in der Stadt sein. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er einer der treibenden Kräfte bei der Neugestaltung der Stadtmitte des wiedervereinigten Berlins war und mithalf, ob als Vorsitzender der Jury um den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses  oder mit einem Gebäudeplan in der Friedrichstraße, den Begriff des „Neuen Berlins“ zu prägen.

Daher stand bereits vorab fest, sein Vortrag im vollbesetzten VHS-Zentrum am Schloss in Saarbrücken kann, so Stiftungsvorsitzender Professor Wolfgang Lorch, ein „Plädoyer für ein Zurück in die Stadt“ sein. Und das kann, so Lorch, bei Lampugnani nur die „europäische Stadt“ sein. Aus ihr, ob nun Barcelona, Berlin, Turin oder London bezog er seine Beispiele von Plätzen in Paris, Arkaden in Turin und den bürgerlichen Wohnquartieren in London. Jedoch stammen diese Beispiele aus der der Zeit des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, angefangen von James Hobrechts-Plan bis zur Bruno Tauts-Hufeisensiedlung für Berlin.

Gemeinsam war diesen Entwürfen, dass darin die Stadt aus Blockrandbebauung und Grün, ob nun als Innenhof oder Park in der Mitte, bestand: Das Ideal für Lampugnani, doch „haben wir verlernt, Quartiere zu bauen“, stellte er fest. Ein Grund dafür ist für die als Gegenentwurf zur dicht bebauten Stadt entstandene Gartenvorstadt, nicht zuletzt als Reaktion auf die immens gewachsenen Städte. Für ihn stellt sie vor allem den „Prototyp der Zersiedelung“ dar, dessen Folge eine nicht weniger ausufernde Infrastruktur ist.

Der Bedarf an Wohnraum in den Städten wächst, und damit bleibt die Stadterweiterung ein „reales Problem“, betonte er. Eine weitere Ausdehnung an den Rändern einer Stadt verschärft nur das Problem. Die Lösung liegt für ihn nur in der räumlichen Verdichtung, ohne dabei auf Grün und Freiräume zu verzichten. Wie beides für ihn zusammen kommt, zeigte Lampugnani an einem konkreten, eigenen Beispiel. Für das Richti-Quartier in der Gemeinde Wallisellen im Kanton Zürich hat sein Büro den Masterplan vorgelegt. Auf den sechs Hektar einer ehemaligen Industriebrache zwischen Bahnhof und dem Einkaufszentrum Glatt entstand durch einen Wettbewerb und anschließende Workshops der ein an historischen Vorbildern, Arkaden und Plätzen europäischer Städte wie Paris, London oder Turin orientiertes Quartier mit Blockrandbebauung, Innenhöfen, Einkaufszeilen und Geschäftsgebäuden.

Zur Straße gibt sich die Architektur urban und grün zum Innenhof. Dieses mutmaßlich hochpreisige und das in der anschließenden Diskussion angesprochene Parkproblem (Tiefgarage) ein wenig sorglos angehende Projekt zeigt für Vittorio Magnago Lampugnani,  wie die „Stadt des 21. Jahrhunderts“ aussehen soll, die in ihrer Mitte, nicht an ihren Rändern wächst und beweist für ihn, „wie man ausgewogene Dichte auch mit Lebensqualität verbinden kann.“ 


Dr. Sabine Graf

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