Peter Strobel während seines Vortrags, Foto: Michelle Mehler
Peter Strobel während seines Vortrags, Foto: Michelle Mehler

Vortragsveranstaltung zum Thema Wettbewerb am 30.11. bei der AKS

Beim Auftakt der Veranstaltungsreihe „Mehr Wettbewerb“ ging es um „Mehrwert durch gelungene Wettbewerbsverfahren“. AKS-Präsident Alexander Schwehm leitete ein: „Mehr Wettbewerb bedeutet mehr Baukultur. Städte und Gemeinden können entweder ‚von der Stange’ kaufen oder einen Architektenwettbewerb veranstalten.“ Für ihn persönlich sei ein Gebäude nachhaltig, wenn es von allen – Nutzern, Bürgern, Politikern etc. – angenommen werde. Nur bei Wettbewerbsverfahren seien alle Beteiligten von Anfang an eingebunden. Auch Sarah Gillen, Mitglied des saarländischen Landtags, liegt das Thema Wettbewerb am Herzen. Selbst bei PPP-Projekten sollten Wettbewerbe vorgeschaltet werden, führte sie in ihrem Grußwort aus. 

Den ersten Vortragsblock gestaltete ein Referenten-Dreiergespann. Es erläuterte das Wettbewerbsverfahren für eine Feuerwache in Wiesbaden-Igstadt. Peter Maurer, Architekt vom Hochbauamt Wiesbaden und Vertreter des Auslobers, begrenzte seinen Vortrag jedoch nicht auf das Verfahren in Wiesbaden. Entstand der Entwurf für die Feuerwache als Ergebnis eines nichtoffenen Wettbewerbs (dieses Verfahren habe für die spezielle Bauaufgabe durchaus seine Berechtigung), brach er eine Lanze für den offenen Wettbewerb. Denn: „Architektin ist Architektin. Architekt ist Architekt.“ Es sei diskriminierend, wenn nicht jeder mitmachen dürfe. Insbesondere „Newcomer“ sollten ihre Chance erhalten. Mit Blick nach Österreich erklärte er: Dort sei der offene Wettbewerb das Regelverfahren. Und, wenn alle einen offenen Wettbewerb machten, käme es nicht zu den „befürchteten 1.000 Einreichungen“. 

Thomas Grüninger, Architekt aus Darmstadt und Betreuer des Verfahrens für die Feuerwache, zeigte vor allem die Vorteile des Wettbewerbsprozesses auf. Seine Überzeugung: „Eine sorgfältige Projektvorbereitung sichert die Qualität und Wirtschaftlichkeit der späteren Umsetzung.“ Im Idealfall sei nach dem Wettbewerb ein Vorentwurf vorhanden, der ohne große Probleme und Änderungen gebaut werden könne. Voraussetzung sei, dass alle Bedarfe der Beteiligten ermittelt werden müssten („Leistungsphase 0“), um eine fundierte Wettbewerbsauslobung zu formulieren. Gesucht werde „nicht die erstbeste, sondern die beste Lösung“. 

Dritter im Referententeam war Peter Strobel von Bayer und Strobel aus Kaiserslautern, 1. Preisträger des Verfahrens. Für Strobel ist die sorgfältige Vorbereitung in der Phase 0 besonders wichtig für die Erfüllung des Raumprogramms durch die Wettbewerbsteilnehmer und führe schlussendlich zu einem erfolgreichen Ergebnis des Verfahrens. Anhand der Vorstellung des Wettbewerbsentwurfs (momentan in Leistungsphase 3) zeigte sich deutlich: Das Resultat von Wettbewerben ist architektonische Qualität. Auch wenn das Raumprogramm durch stringente Funktionsabläufe wenig Freiheiten ließ, ist das Ergebnis ein auf die Rahmenbedingungen individuell zugeschnittenes Gebäude, das auf seine Umgebung und Nutzer gleichermaßen eingeht. Das gilt auch für das 2. von Strobel vorgestellte Projekt: Die PSD-Bank in Saarbrücken. Dabei handelte es sich um einen Einladungswettbewerb, wie ihn nur private Bauherren ausloben können. 

„Nach dem Kuchen kommt zum Schluss das Schwarzbrot“, begann Stefan Krüger, Architekt aus Saarbrücken und Vorsitzender des AKS-Wettbewerbsausschusses, seinen Vortrag. Er stellte die Arbeit des Ausschusses vor. Zu den Plädoyers für den offenen Wettbewerb seiner Vorredner ergänzte er, dieser könne auch 2-phasig ausgelobt werden. So geschehen beim Wettbewerb zum Eingangsgebäude der Völklinger Hütte. Grundsätzlich sei zu beachten: „Der Auslober ist der Herr über das Verfahren. Er muss der Beratung des Ausschusses nicht folgen.“ Darf er aber natürlich. Allerdings: Eine Vergabeberatung kann der Ausschuss nicht leisten, da seine Mitglieder Architekten und keine Juristen seien. Doch rund um das Thema Wettbewerb profitieren Auslober von der geballten Erfahrung des Ausschusses.

Die Serie „Mehr Wettbewerb“ wird in 2018 – mit anderen Schwerpunkten – fortgeführt.


Text: Kim Ahrend