Peter Michael Lupp, Foto: Lu/AKS
Peter Michael Lupp, Foto: Lu/AKS

Schandfleck oder Kunstwerk? Es kommt auf die Wahrnehmung und das Wissen an, ob ein altes Bauernhaus Ausdruck regionaler Identität oder ein Hindernis der Gegenwart ist. Für Peter Michael Lupp, beim Regionalverband Saarbrücken zuständig für Regionalentwicklung, ist das keine Frage: Ein Gebäude, zumal eines aus den vergangenen Jahrhunderten, ist ein gebautes Zeugnis regionaler Identität, was die handwerklichen Details betrifft und dabei bisweilen ein Kunstwerk, aber in jedem Fall ein Bauwerk, das die Geschichte und Tradition der Region spiegelt und daher erhalten bleiben muss. Es einfach abzureißen oder systematisch verkommen zu lassen, ist daher für ihn ein Raubbau der Region gegen sich selbst. 

Darin trifft sich sein Ansatz mit dem der Stiftung Baukultur Saar. Gerade erst, so Willi Latz, Vizepräsident der Stiftung Baukultur Saar, eine aktuelle Studie, warum Touristen das Saarland meiden: Erstens wegen des Wetters, zweitens wegen des Erscheinungsbildes der Ortschaften. Am ersten Punkt könne man nichts machen, am zweiten schon, stellte er fest. Daher lud die Stiftung in der Reihe „Ortsgespräch“ ins Jagdschloss Karlsbrunn im Warndt, wohin eine stattliche Anzahl von Kammermitgliedern aus allen Teilen des Landes gekommen war. 

Diese allmählichen Verluste gilt es aufzuhalten, appelliert Lupp und hat dazu einen bildgewaltigen Vortrag über regionale Baukultur mit manch gutem Beispiel und trister Wirklichkeit zwischen Abriss alter Bausubstanz und gesichts- wie geschichtslosem Neubau zusammengestellt. Dagegen steht sein Verständnis von regionaler Baukultur, die für ihn gleichbedeutend mit „landschaftsgebundenem Bauen“ ist, dem „Bauen im Einklang mit der umliegenden Landschaft, dem Ökosystem und den überlieferten Handwerkstraditionen.“ Das gilt für die Sanierung von historischen Gebäuden sowie den Neubau, der in Materialwahl und Formensprache hier bewusst Geschichte weitertragen soll. 

Lupp vertritt dabei eine pointierte Position, die sich zwar auf das Bauernhaus konzentriert, aber auch, wie Steffen Banuat, Bauamtsleiter der Stadt Sulzbach, zeigte, auf Gebäude mit regionaler Tradition zutrifft. So wurde ein Jugendstilwohnhaus in der Sulzbacher Hauptgeschäftsstraße für Bürgerkriegsflüchtlinge hergerichtet. Zumal, so Willi Latz, unter Bauherren in Neubaugebieten für Baukultur zu werben, verlorene Zeit ist. Mehr Potential bietet für ihn daher die Konzentration auf die Ortskerne, nicht zuletzt weil dort über die Kommunen und damit die Öffentlichkeit Einfluss auf die Gestaltung möglich ist. Doch nicht das Dorf, sondern die (Arbeiterhaus-)Siedlung sei eher typisch für die Region, hielt der Saarbrücker Architekt Peter Alt Lupps Position entgegen, welche ohnehin genügend Stoff zur Diskussion bot. Welche Rolle dabei Fördergelder und Beratungsgutscheine spielen, so der Hinweis des Saarlouiser Architekten Alexander Schwehm, wie wichtig Fortbildung für Architekten, Planer, Handwerker und Bildung für eine heranwachsende Generation ist, die dieses Erbe annehmen soll. 

Auch wurde diskutiert, wie energetisches Sanieren mit dem Bewahren alter Bausubstanz vereinbar ist und die Notwendigkeit von Gestaltungssatzungen für Städte und Gemeinden. Vor allem, weiß Lupp, „muss ein politischer Wille da sein“, sprich in der Kommunal- wie auch Landesverwaltung, um in dem Thema gewidmeten Foren, wie dem der „Ortsgespräche“ erarbeiteten Standards für eine regionale Baukultur durchzusetzen. Um diese zu erarbeiten, gehört auch, sich auf eine Position wie die von Lupp einzulassen, statt sie von vorneherein abzuwehren. Denn die „Ortsgespräche“ wollen besondere  ositionen und Sichtweisen auf die Architektur der Region vorstellen, nicht zuletzt deshalb, um dafür zu sorgen, dass Baukultur als Ausdruck regionaltypischen Bauens und Sanierens in der Praxis von allen damit Befassten ihren Platz findet. 

Dr. Sabine Graf

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