Initiator und Moderator Stefan Ochs (re.) im Gespräch mit Festivalmacher Thilo Ziegler und Heiko Lukas, Baudezernent der LHS (von li.). Die Bühne vor dem Schaufenster symbolisierte die Öffnung der AKS nach außen. Foto: Klara Paulitsch
Initiator und Moderator Stefan Ochs (re.) im Gespräch mit Festivalmacher Thilo Ziegler und Heiko Lukas, Baudezernent der LHS. Foto: Klara Paulitsch

Auf Initiative von Architektur-Professor Stefan Ochs war auch die AKS Veranstalterin beim neuen saarländischen Kulturfestival „Colors of Pop (COP)“ und präsentierte sich mit einem frischen Format, das in mehrfacher Hinsicht besonders war. Akteure waren verschiedene Vertreter aus dem Kulturbereich, Architekten und Stadtplaner. Und: Nach Kurzvorträgen, einer Podiumsdiskussion und einer Vernissage wurden Flammkuchen, Getränke und Livemusik (an-)geboten. Thema und Format kamen sehr gut an: Über 100 Besucher waren am 17. Oktober im Haus der Architekten zu Gast, um zu erfahren, welche positiven Impulse Events der Stadtentwicklung geben können. Denn: „Möbelhäuser sind nicht die einzigen Garanten der Stadtentwicklung. Kunst, Kultur, Kommerz, wir müssen über alles reden können, um eine Zukunft der Urbanität zu sichern“, meinte Stefan Ochs im Vorfeld der Veranstaltung.

Mit kleinem Budget und großem Einsatz wurde ein Event organisiert, das die nachhaltige Wirkung temporärer, periodischer oder stationärer Events und deren Bauten für den Stadtraum beleuchtete. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, und welche  Bedürfnisse haben die (Musik-)Kulturschaffenden? Dies kam in Kurzvorträgen und einer Podiumsdiskussion zur Sprache.

Mit den Worten, die Zeit sei reif dafür, dass die Bevölkerung sich den Stadtraum zurückhole, fand AKS-Präsident Alexander Schwehm einen passenden Einstieg in den Abend. Pop-Rat-Mitglied Stefan Ochs, Ideengeber und Moderator  der Veranstaltung, schwärmte von den legendären Saarbrücker Open-Air-Festivals 1978 und 1979, als in Saarbrücken (noch) „alles gut“ war. Seine Aufzählung bekannter Pop-Größen, die früher in Saarbrücken zu Gast waren, machte anschaulich, welches Potenzial und welche Strahlkraft seitdem an andere Städte verloren gegangen ist. In diesem Zusammenhang nannte Pop-Rat-Vorsitzender Peter Meyer drei „Leuchtturmprojekte“ des PopRat-Konzepts von 2015: eine Eventhalle, ein als „Creative Factory“ konzipiertes Musikzentrum und eine Halle für 800 Besucher.

Die Geschichte der avantgardistischen Popkultur, die u. a. „ästhetische Transformationsprozesse übernommen“ habe, beleuchtete HTW-Professor Ulrich Pantle. Und Stadtplaner Luca Kist (Städtebaubeirats-vorsitzender) stellte den Zusammenhang zwischen Stadtentwicklung und Groß-events her. Am Beispiel Hamburgs zeigte er auf, dass selbst erfolglose Bewerbungen für Großevents (ablehnender Bürgerentscheid für Olympia 2012) eine enorme stadtplanerische Schubkraft bewirken können. Er hofft, dass das neue COP-Festival sich etabliert und eine Initialzündung sein kann, auch im Saarland einmal Großes zu denken.

Die Akteure waren sich einig: Zeitgemäße Spielstätten verschiedener Größe fehlen hierzulande. Wenn sie bezüglich einer Eventhalle für Saarbrücken auch nicht alle so eindeutig Postion bezogen wie Thilo Ziegler: „Große Konzerte sind ein Problem in Saarbrücken“, urteilte der saarländische Festivalmacher („Rocco del Schlacko“, „Electro-Magnetic" und neuerdings auch das vom Land initiierte „COP“). Ziegler warb vehement für eine Event-Arena als adäquaten Veranstaltungsort für die Bereiche Kultur, Sport und „Family-Entertainment“. Den Aufbau eines Musikzentrums mit Proberäumen und Spielstätten wünscht sich (nicht nur) PopRat Marcel Sude vom Saarländischen Rockmusikerverband. Damit könne der infrastrukturellen Unterversorgung der hiesigen Szene entgegengewirkt werden. Als möglichen Standort hierfür brachte Baudezernent Heiko Lukas das 10-geschossige Rhenania-Gebäude am Osthafen ins Gespräch.

Bei der Vorstellung der ausgestellten Studienarbeiten zum Thema Eventhalle und COP-Festivalclub lobte Jens UKFW Stahnke (AKS-Vizepräsident) deren unkonventionellen Ansatz. Die studentischen Ideen, deren „Umsetzung nicht der Anspruch“ war, seien ein „Augenöffner“. Für Stahnke sind neue attraktive Angebote für Saarbrücken „überlebensnotwendig“. 

Der abwechslungsreiche Abend machte deutlich, wie wichtig eine Vernetzung aller Kulturschaffenden ist. Durch die Livemusik von „Mikromoon“ mit Sängerin Annina Casalino wurde er auch gleichzeitig zum gelungenen Popevent. 


Cornelia Noll

Melden Sie sich hier für unser Newsmagazin an