Christoph Mäckler, Foto: Iris Maurer
Christoph Mäckler, Foto: Iris Maurer

Was ist öffentlich und was privat? Die Trennung ist laut Professor Christoph Mäckler, Architekt aus Frankfurt am Main, entscheidend für ein funktionierendes Wohnquartier. Warum beides im heutigen Stadtgefüge oft vermischt wird, erklärte er in einem bildhaften und anschaulichen Vortrag am 6. Juli an der Architekturfakultät der htw saar in Göttelborn. Auf Einladung der Stiftung Baukultur Saar berichtete er „kaltschnäuzig“, wie eine Stimme aus dem Publikum erfreut bemerkte, was seiner Meinung nach die Qualitäten von Stadtquartieren ausmachen sollen.

Beginnend zitierte Mäckler mit „Die Stadt zuerst!“ die „Kölner Erklärung zur Städtebau-Ausbildung“, deren Mitunterzeichner er ist. Denn Mäckler findet, dass Städtebau und Architektur untrennbar zusammen gehören. „Wir bauen keine öffentlichen Räume mehr“, so Mäckler weiter. Der öffentliche Raum ist für ihn jedoch die Basis für jedes Wohnquartier.

Anhand der 4 Überschriften Block, Straße, Platz und Haus zeigte er, wie Architekten die Gesichter einer Stadt bilden können. Die klassische Blockrandbebauung verkörpere die europäische Stadt. Die klar umrissenen Blöcke bilden die Straßenräume. Die einzelnen Häuser haben (schmucke) Straßenfassaden und prägen damit das Stadtbild. Eingänge befinden sich an der Straße und der ruhige grüne Innenhof steht uneingeschränkt den Bewohnern zur Verfügung. Dies funktioniere schon seit Jahrhunderten. Mäckler appellierte an die Zuhörer: „Viertel aus dem 19. Jahrhundert sind egal in welcher Stadt die beliebtesten Wohngegenden. Sie können heute sowas auch bauen!“ Und weiter sprach er sich für die Nutzungsmischung aus: Wohnen zum Beispiel in Verbindung mit Gewerbe- oder Bildungsbauten.

An einem Entwurf eines deutschen Stadtquartiers, den er im Internet gefunden habe, erläuterte er, wie gegenwärtig die meisten Viertel geplant werden. Heute dominierten meist offene Bebauungen mit Häusern in zweiter Reihe. Architekten geben sich Mühe, eine vielfältige Durchwegung zu erzielen. Doch heben sich dadurch im Gegensatz zum „Block“ die Grenzen zwischen privat und öffentlich auf. Häuser sind nur noch von ihren Rückseiten her oder über Fußwege erschlossen. Diese führen an privaten Gärten oder gemeinschaftlichen Grünflächen vorbei. Bewohner ketten ihre Gartenmöbel und Kinderspielgeräte an, denn „man muss überall rein“. Balkone stoßen aneinander und gewähren keinerlei Privatheit.

Der Referent erinnerte daran, dass Straßen Gestaltungsmittel des Städtebaus sind. Sie entstünden über die Anordnung von Gebäuden und ihre bereits erwähnten „Straßenfassaden“. Denn: „Häuser bauen Stadt“. Das gelte auch für Plätze. Doch werden Plätze oft nur über einen Materialwechsel erzeugt und nicht dem Satz eines „Wiener Kollegen“ folgend: „Die Außenwände der Innenräume sind die Innenwände der Außenräume.“

Bei der anschließenden Diskussion rechtfertigte sich Mäckler: „Nein, keiner will zurück ins 19. Jahrhundert. Wir leben heute in einer anderen Gesellschaftsform. Aber beachten Sie: Gentrifizierung findet nicht in Siedlungen statt, die wir bauen, sondern in Vierteln, die 100 Jahre alt sind.“

Kim Ahrend 

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