Kammermitglieder; Foto: Anne-Christin Backes

Mitgliederversammlung 2019 der Architektenkammer des Saarlandes

Mit mehreren „Highlights“ wurden die Mitglieder belohnt, die der Einladung der Architektenkammer des Saarlandes (AKS) zur diesjährigen Mitgliederversammlung gefolgt sind: einer amüsant, fachlichen Rede des saarländischen Ministers für Umwelt und Verbraucherschutz, dem gewohnt vielfältigen Jahresbericht des Kammerpräsidenten und der Nachwahl eines Vorstandsmitgliedes.

Grußwort des Ministers
Als Vertreter der Landesregierung begrüßte Umweltminister Reinhold Jost die Zuhörer. Er lobte die vertrauensvolle, aber dennoch konstruktiv-kritische Zusammenarbeit des Ministeriums mit der AKS. Schwerpunkte seiner Rede bildeten das ökologische Bauen und die nachhaltige Gestaltung der Umgebung. Jeder solle sich hinsichtlich seiner ökologischen Verantwortung bewusst sein und dementsprechend „diese Verantwortung beim Bauen übernehmen“. Dabei steht nicht nur Energieeffizienz an erster Stelle. Es gelte zudem, rohstoffverträglich und recylingfähig zu bauen. Die Sanierung von Gebäuden ist ein „zentraler Bestandteil bei der Reduzierung des Wärmebedarfs“. Jost brachte die Herausforderungen auf den Punkt: „Will man ökologisch bauen, muss man jedes einzelne Produkt, das man verbaut, kritisch ökologisch betrachten.“ Das Thema Nachhaltigkeit erzeuge ein Spannungsfeld, dessen (intellektuelle) Hürden oft nicht leicht zu nehmen seien. Natur- und Artenschutz, Umweltgerechtigkeit, Beseitigung von Leerständen in Ortszentren sind einige der Überschriften, die der Umweltminister nannte. Er möchte versuchen, diese in Modellvorhaben umzusetzen und mit Förderungen anzustoßen. Dabei wird er die Kammer bewusst eng einbeziehen, da praktische Hilfe absolut notwendig sei. „Wir brauchen Architekten und Ingenieure“, betonte Jost. Mit „danke für die gute Arbeit“ schloss er seine Rede.

Jahresbericht des Präsidenten
Als Einstieg in seinen Bericht erläuterte Kammerpräsident Alexander Schwehm, er könne doppelt so lange sprechen, habe aber bewusst gekürzt. Und auch die gekürzte Fassung machte deutlich, wie umfangreich und vielfältig die Arbeit des Vorstandes im vergangenen Jahr war.

Einen Fokus richtete er auf das Projekt „digitaler Bauantrag“. Mit dem Ministerpräsidenten Tobias Hans hat er die Einführung des digitalen Bauantragsverfahrens der Öffentlichkeit vorgestellt. Für Hans sei dies keine Spielerei, sondern ein maßgeblicher Schritt in Richtung erfolgreicher Strukturwandel in unserem Land. Das Saarland wolle bei dem Verfahren bundesweit Vorreiter werden. Als Mitglied einer Lenkungsgruppe in der Staatskanzlei werde die AKS dabei mitwirken, die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten.

Schwehm führte etliche berufspolitische Prozesse und Entscheidungen auf den Ebenen Europa, Bund und Land aus. Aktuell beschäftigen mehrere Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission die Bundesregierung. Inhalte sind zum Beispiel die Mindest- und Höchstsätze der HOAI sowie die Auftragswertberechnung bei Planungsleistungen. „Wir halten Sie natürlich auf dem Laufenden,“ versprach der Präsident.

Auf Bundesebene befasst sich die AKS nach wie vor mit der Einführung von Fachregistern, die in der Projektgruppe „Generalist Plus“ der Bundesarchitektenkammer diskutiert werden. Die AKS spricht sich gegen die Einführung aus, da „diese unserer Ansicht nach zu einer Abkehr vom Architekten als Generalisten“ führen.

Die meiste Arbeit hat der Vorstand naturgemäß auf Landesebene zu bewältigen. Schwehm hob die Personalisierung der Unteren Bauaufsichtsbehörden hervor. Die Kammer wünscht sich, dass diese von Fachleuten, „also von Architekten oder Stadtplanern“, geleitet werden und dies in der Landesbauordnung festgeschrieben wird.

Weitere Themen waren unter anderem die Einführung einer Bagatellgrenze, die Festlegung von Stundensätzen für freiberufliche Leistungen und die Diskussion des Behindertengleichstellungsgesetzes.

Zur besseren Umsetzung der Wohnraum- und Städtebauförderung gebe es erste Gespräche mit der Politik. An Josts Angebot, die Architekten in seine Überlegungen einzubeziehen, „sieht man die ersten Erfolge“, so Schwehm.

Traditionell lang war die Aufzählung der Kooperationen mit anderen Kammern, Verbänden und Organisationen sowie die Durchführung von Seminaren, Veranstaltungen und der Beteiligungen an Initiativen. Der Präsidentbetonte die Wichtigkeit des Bauherrenpreises, der im letzten Jahr ausgelobt wurde sowie die von fachfremden Veranstaltungen wie Buchvorstellungen und Vernissagen, mit denen sich die Kammer „nach außen öffnet“.

„Nur gemeinsam konnten wir meinen Jahresbericht mit Leben füllen“
Der Präsident dankte zum Schluss seinem Vizepräsidenten, dem Vorstand, den Kammergruppenvorsitzenden sowie der Geschäftsstelle für die engagierte Arbeit.


Nachwahl eines Vorstandsmitgliedes
Da ein Vorstandsmitglied in den Ruhestand getreten ist, wurde die Nachwahl in der Fachrichtung Architektur und Tätigkeitsart angestellt/beamtet erforderlich. Cathrin Moll aus Saarbrücken (siehe Artikel "Neues Vorstandsmitglied" setzte sich
gegen den Mitbewerber Peter Habel aus Neunkirchen durch. In einer sehr persönlichen Ansprache an die Anwesenden plädierte Moll dafür, dass freie sowie angestellte Architekten im Hinblick auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung ein bisschen enger zusammenrücken sollten und gemeinsam Entscheidungen treffen, „damit mit dem Bauen endlich wieder ein gesellschaftlicher Mehrwert geschaffen wird“, wie es das neue Vorstandsmitglied formulierte.

Weitere Themen
Stefan Krüger stellte wie in den Jahren zuvor als Vertreter der AKS im Versorgungswerk der AK NRW die Neuigkeiten aus seiner Gremiumsarbeit vor.

Beschlüsse waren die Entlastung des Vorstandes, der Haushaltsentwurf für 2020 sowie die Festlegung der Sterbegeldumlage.

Unter dem Punkt „Verschiedenes“ am Ende der Sitzung wurde über die praktischen Erfahrungen nach Einführung der Unterschwellenvergabeordnung gesprochen und über die Kammerarbeit als solche, die positiv in der Öffentlichkeit
wahrgenommen werde. Zudem wurden Anregungen zu weiteren Kooperationen gegeben.
 

Text: Kim Ahrend