Stefan Ochs (r.) und Jens UKFW Stahnke (l.), Foto: Kim Ahrend, Selina Geis
Stefan Ochs (r.) und Jens UKFW Stahnke (l.), Foto: Kim Ahrend, Selina Geis

Am 20.09.2017 erschien der Artikel „Alte Hüte soll man ruhig nochmal aufsetzen – Die Zukunft der Urbanität: Ein sinnfälliger Vortrag des Saarbrücker Architekturprofessors Stefan Ochs“ in der Saarbrücker Zeitung. Wir danken Christoph Schreiner für die Erlaubnis, den Artikel abdrucken zu dürfen. 

Das hier ist keine Märchenstunde“, meinte der Vize-Präsident der Saar-Architektenkammer (AKS), Jens Stahnke, nach Stefan Ochs’ erfrischendem Vortrag zur „Zukunft der Urbanität“ – am Montag im gut gefüllten AKS-Vortragssaal. Querdenker Ochs, seit 2004 Professor für Entwerfen, Baukonstruktion und räumliche Entwicklung an der Saarbrücker HTW, hatte uns und (fehlenden) Verantwortlichen in Stadt und Land ein paar Denkaufgaben mit auf den Weg gegeben. Und mögliche Lösungswege aufgezeigt.

Eine schnelle Bahnverbindung nach Luxemburg und Straßburg etwa, damit das Saarland sein Hintertupfingen-Los verliert, schob Ochs zuletzt noch eine maßgebliche Anregung nach. „Da würde Saarbrücken explodieren“, meinte er in der ihm eigenen Diktion. Zuvor hatte er Verhandlungen mit Berlin angemahnt, um die Saarbrücker Stadt-Bundesautobahn endlich zum „Stadt-Boulevard“ (gesäumt von Grün-, Fußgänger- und Busspuren) herunterzudimmen. Ja, ein alter Hut. Aber einer, den es wieder aufzusetzen lohnte. Wenn man, wie das Ochs’ Devise ist, hinterm Horizont weiter und dann noch ein bisschen um die Ecke denkt. Und also nicht, wie gerade die Ministerpräsidentin, beim Verbrennungsmotor stehen bleibt, sondern am Autohimmel mittelfristig selbstfahrende E-Mobile ausmacht, die das Autoaufkommen (auch im Saarland!) radikal reduzieren und den gesamten öffentlichen Raum umkrempeln könnten.

Nicht von ungefähr hatte Ochs seinen Vortrag „Dichte Packung Stadt“ betitelt: Die Verdichtung städtischer Räume hält er für eine Kernaufgabe. Nichtsdestotrotz hätte es dazu kursorischer Exkurse zu Raumstrukturen in Barcelona, Tokio, New Delhi oder Dubai nicht bedurft. Wozu in die Ferne schweifen, wo des Pudels Kern so nahe? Am Beispiel des Saarbrücker Eurobahnhofs geißelte Ochs verfehlte Stadtplanung: „Das ist ein Gewerbegebiet.“ Weil man – wie schon bei den Saarterrassen, daran ließe sich erinnern – auf eine Misch-nutzung verzichtet hat. Sprich die Kopp-lung von Arbeit, Handel und Wohnen. „Quartiere funktionieren nur bei Durchmischung“, wiederholte Ochs das kleine Einmaleins moderner Stadtplanung. Verdichtung, führte er dann aus, schließt die Relation privater vs. öffentlicher Raum ein. Womit Ochs einen wunden Punkt traf: In Saarbrücken ist der öffentliche Raum in erster Linie Parkfläche. Autos statt Bäume. Ein Parkplatz koste (Zugänge eingerechnet) 25 Quadratmeter Fläche. Knapp 16.000 öffentliche Parkplätze habe Saarbrücken. Macht 380.000 Quadratmeter. Was dem Lebensraum von 5.000 Menschen entspreche (bei einem innerstädtischen Richtwert von 75 Quadratmetern pro Kopf), rechnete Ochs vor. Alle Autoflächen umnutzen zu wollen, wäre absurd, das weiß auch Ochs. Er wollte diese Zahlen nur mal sacken lassen. Und kam auf drei zukunftsträchtige innerstädtische Wohnquartiere zu sprechen (Alt-Saarbrücken, Osthafen und das Mühlenviertel um den Fernbusbahnhof). Dort ließen sich insgesamt 15.000 Wohneinheiten realisieren. Aber auch bezahlbarer Wohnraum für Nicht-Gutsituierte? Bislang herrscht da Fehlanzeige.

Der HTW-Mann warb für Blockbebauung statt freistehender Einfamilienhäuser. Und für eine Lösung des Pendlerproblems der Landeshauptstadt (150.000 am Tag) – indem man das Stadt-Wohnen lukrativer mache und so Verkehrsströme reduziere. Da schloss sich ein Kreis. Weil Verdichtung, recht verstanden, so Ressourcenschonung von Boden, Zeit und Energie sei. Der Mann hat recht. 

Christoph Schreiner, Saarbrücker Zeitung 

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