Anne Beer, Foto: Iris Maurer
Anne Beer, Foto: Iris Maurer

Künftig stärker über Land zu gehen, ist das Ziel der Stiftung Baukultur Saar, wie Vorstandsmitglied Daniel Kempf zu Beginn der diesjährigen Veranstaltungsreihe „Stadt – Land – Wohnen“ am 14. Juni unterstrich. Die Kooperation mit dem Zweckverband Biosphäre Bliesgau und dem Saarpfalz-Kreis sowie der Veranstaltungsort Ormesheim  waren ein deutliches Signal dafür.

Baukultur ist für die Regionalentwicklung sehr wichtig, findet Markus Schaller (Beigeordneter des Saarpfalz-Kreises, Vertreter von Landrat Dr. Theophil Gallo): „Gerade eine UNESCO-Biosphärenregion (…) muss Dörfer attraktiv halten und gestalten.“ Zumal Umfragen unter Touristen besagen, dass diese nicht wiederkommen, weil die „Dörfer zu unattraktiv“ seien.

Wie die Attraktivität kleiner Gemeinden mit geringen Eingriffen gesteigert werden kann, zeigte Professorin Anne Beer (OTH Regensburg) in ihrem Vortrag „Architektur als Impuls für regionale Entwicklung und Tourismus“. Schwerpunkt waren Projektarbeiten aus dem 2010 von ihr gegründeten Kompetenzzentrum „LandUmbau“, das sich mit den Folgen des Strukturwandels und der demografischen Veränderung in der Oberpfalz beschäftigt. Die Besonderheit daran: Die Projekte waren „offen“, ohne feste Aufgabenstellung; Fragestellungen entstanden im Laufe der Arbeit. Gleichermaßen wichtig waren immer die (städtebauliche) Bestandsaufnahme und -analyse − „mit den jungen Leuten rausgehen, die Sichtweisen addieren“ − und der enge Kontakt zur Gemeinde − „mit den Menschen vor Ort sprechen“. Und ebenfalls von großer Bedeutung: die gemeinsame Arbeit im Rahmen eines Workshops. 

Zwischen Spurensuche und Branding wurde versucht, für den 500-Seelen-Ort Deusmauer (Landkreis Neumarkt) einen „Mehrwert zu generieren“. Vorschlag 1 war ein neuer Zeltplatz, der zum Ziel hatte, (wieder) Jugendliche anzuziehen, die „Schätze der Natur“ zu zeigen und „ungenutzte Angebote aufzufrischen“.  Vorschlag 2 war die Stärkung des Dorfladens mit dem Marketingkonzept „Give me Moor“, das die örtlichen Besonderheiten Moor und Streuobstwiesen hervorhob. In einem Bioladen sollten die vorhandenen Ressourcen genutzt werden. Vorschlag 3 hatte einen landschaftsarchitektonischen Bezug und thematisierte die Erschließung des Moores mit einem „Atmosphärenpfad“, der als aufgeständerte Stegkonstruktion realisiert werden sollte.

Beim Projekt Jura 3 wurden die Vorteile interkommunaler Kooperationen ausgelotet. Als Pate hierfür standen die „ganz unterschiedlichen“ Gemeinden Bad Berching, Breitenbrunn und Dietfurt in der Jura-Region, bei denen aus den „spezifischen Landschaftspotentialen“ geschöpft werden sollte. Unter der Überschrift „Einsiedler“ wurde der Nischentourismus bedient. Einfachste kleine Hütten wurden als Übernachtungsmöglichkeit für individuelle Radler geplant. Das Motto „Wasserwandern“ nahm sich dem Gesundheitstourismus an: Eine Route mit bildgebenden, für die Region typischen Holzstapeln an Ein- und Ausstiegspunkten wurde entwickelt. Drittes Thema war ein jährlich wiederkehrendes Festival, ein Seifenkistenrennen, mit minimaler Infrastruktur aus Containern in den Farben der 3 Gemeinden. Und das Projekt „Spirit“ zielte darauf ab, landschaftliche Qualitäten (Hänge, Ausblicke, Flüsse, Wiesen) mit Land Art hervorzuheben.   

Beim Wahlfach „Dorf.Mittel.Punkt“ sollte das Programm hybrid sein, mehrere Funktionen verknüpfen. Es ging um einen unrenovierten Gasthof in einem historischen Dorfkern von 1820 − in einem Ort, der durch einige intakte Hofstellen (Bauernhöfe) und eine äußere Zersiedelung geprägt war. Hier stellte Anne Beer die beiden „Ausreißer-Projekte“ vor. Zum Einen den Vorschlag eines Modulkonzeptes, das für das leerstehende Gasthaus eine neue Nutzung mit temporären Arbeitsräumen, Räumen für Handel, Dienstleistung und Soziales vorsah und damit eine Verbesserung der Nahversorgung beabsichtigte. Zum Anderen den Vorschlag, das Gasthaus als Bauernkooperative und Bio-Schullandheim zu nutzen. Beer betonte, wie „frisch, motiviert und optimistisch“ sich die Beteiligten der Themen angenommen hätten.

Ihre Empfehlung: Regionaltypische Besonderheiten herausarbeiten, ungenutzte Potentiale erkennen und „heben“, eine architektonische Stärkung erreichen und: interdisziplinär arbeiten – in enger Abstimmung mit den politischen Entscheidungsträgern und Bürgern. Dies wurde auch bei der Vorstellung eigener Projekte von BBD Beer Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner deutlich. Das „Spezifische der regionalen Bautradition“ werde von BBD sehr ernst genommen, führte Beer aus und unterstrich: „Wir möchten eine städtebauliche Situation weiterbauen, aber wir möchten es immer auch als Kind unserer Zeit zeigen.“ Und für Beer ist klar: „Baukultur geht nur auf breiter Basis“. 

Cornelia Noll

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