Schritte des offenen Planungswettbewerbes - Grafik: Hans-Peter Achatzi, C4C Competence for Competitions
Schritte des offenen Planungswettbewerbes - Grafik: Hans-Peter Achatzi, C4C Competence for Competitions

Vortragsveranstaltung am 08.05. bei der AKS zeigte das optimale Wettbewerbsverfahren

Text: Kim Ahrend

Die Fortsetzung der Reihe „Mehr Wettbewerb“ widmete sich dem optimalen Wettbewerbsverfahren. Kammerpräsident Alexander Schwehm begrüßte alle, die Wettbewerbe ausloben bzw. vorbereiten, aber auch alle, die an Wettbewerben teilnehmen.
Einen einführenden Impuls gab Peter Peters, Architekt des Bischöflichen Generalvikariats Trier. Er betonte, das Bistum sei zwar kein öffentlicher Auftraggeber, aber wenn es Zuschüsse erhalte, unterläge es doch denselben Regeln. Es verwaltet rund 4000 Gebäude und lobt in der Regel Wettbewerbe für Schulen, Kirchen, Pfarrheime und Kindergärten aus.

An zwei Projekten, einer Kindertagesstätte in Eppelborn-Wiesbach (1. Preis: berwanger: architektur Gmbh, St. Wendel) und dem Pfarrzentrum in Neunkirchen-Wellesweiler (1. Preis: Wandel Lorch Architekten, Saarbrücken), zeigte er den großen Vorteil, den das Bistum aus Wettbewerbsverfahren zieht: Eine breite Palette an Entwürfen zu bekommen, über die diskutiert werden kann. Beide Projekte wurden als nichtoffene Realisierungswettbewerbe nach GRW Saar ausgelobt. Stets wird die Mischung aus jungen und erfahrenen sowie regionalen und überregionalen Architekturbüros angestrebt.

Peters betonte, dass die Entwurfsverfasser das „Raumprogramm auch teilweise auf den Kopf stellen“, was dem Bauherrn neue Möglichkeiten bietet: Der Turm in Wellesweiler wurde beim Siegerentwurf abgebrochen, obwohl ihn das Bistum ursprünglich erhalten wollte. Peters betreut seit 17 Jahren die Verfahren, und nur einmal musste ein Entwurf in die Überarbeitung. Das lag aber an der Aufgabenstellung, wie er zugab. Sein Fazit: „Wir als Bistum können allen Auslobern Wettbewerbe empfehlen“.

„Der offene Wettbewerb muss das Regelverfahren werden“, erläuterte anschließend Referent Professor Hans-Peter Achatzi aus Berlin. Er besitzt jahrzehntelange Erfahrung im Bereich der Wettbewerbsbetreuung, und er berichtete von seiner Forschungsarbeit für das Bundesbauministerium. Auf der einen Seite stünden die Vorwürfe der Auslober wie großer Aufwand, kostet viel, dauert lange etc. Auf der anderen Seite die Forderungen der Architektenschaft nach u. a.: Baukultur, Chancen für Junge und Referenzen. In Achatzis Vortrag wurde deutlich, dass die Ressentiments meist unbegründet sind. Denn: Am Ende eines jeden Wettbewerbsverfahrens „steht das gute Projekt“. Mittel der Wahl ist für ihn der 2-phasige offene Wettbewerb. In der ersten Phase wird der Teilnehmerkreis durch eine überschaubare Leistung begrenzt, die auf einer tatsächlichen Architektenleistung beruht und nicht auf der Auflistung von Büroreferenzen.

In seinem Forschungsvorhaben hat Professor Achatzi anhand ausgewählter Fallbeispiele mit anrechenbaren Kosten von ca. 10 Mio. € den zeitlichen und monetären Aufwand untersucht, unterschieden nach Vergabeverfahren ohne Planungswettbewerb, mit Lösungsvorschlägen (sogenannte Mehrfachbeauftragung) und mit nichtoffenem und offenem Planungswettbewerb. Die zeitliche Dauer variiere gerade mal um 2 Wochen, so sein Forschungsergebnis. Am teuersten ist mit Abstand die Mehrfachbeauftragung, wenn fair und legal nach Honorarordnung für Architekten und Ingenieure bezahlt wird. Beim offenen Wettbewerb wird bereits der Vorentwurf erarbeitet und das Preisgeld anschließend mit der Beauftragung verrechnet. Dies rechtfertigt die Mehrkosten des Verfahrens. Bei kleinen Bauvorhaben sind die Nebenkosten relativ gesehen höher. Das läge aber in der Natur der Sache, beschwichtigte Peter Peters bei der anschließenden, intensiven Fragerunde.
Fazit: Der offene 2-phasige Wettbewerb eignet sich für kleine und große Projekte sowie für alle Fachrichtungen. 

Weitere Informationen:
Der Vortrag ist als PDF-Datei beigefügt.
Der Link zum Forschungsbericht Aufwendungen bei der Vergabe von Planungsleistungen