Am 28. November wird neu gewählt. Der zum Redaktionsschluss amtierende Präsident Alexander Schwehm stellt sich nicht mehr zur Wahl.
In dem nachfolgenden Interview zieht er Bilanz seiner knapp zehnjährigen Amtszeit.
Was empfinden Sie im Rückblick auf Ihre Präsidentschaft?
Alexander Schwehm: Ich ziehe mich mit einem guten Gewissen zurück. Vieles haben wir geschafft. Und ich habe das Gefühl, das erreicht zu haben, was ich wollte.
Da ist in erster Linie die Zusammenarbeit mit den Ministerien, der Politik, Städten und Kommunen und anderen Institutionen. Ein gutes Verhältnis und ein positiver Dialog zu Entscheidungsträgern – parteiübergreifend und auf Augenhöhe. Das ist, meiner Meinung nach, das Wichtigste.
Insbesondere mit dem Bauministerium haben wir eine enge Bindung. Mit dem Bauminister bin ich mittlerweile in Freundschaft verbunden. Ohne ihn wäre Vieles nicht gelaufen.
Was sind Ihre persönlichen Meilensteine?
Alexander Schwehm: Da gibt es viele. Einer der früheren Erfolge war die Umsetzung meiner Forderung nach einem Bauministerium.
Von Beginn an hatte ich für den digitalen Bauantrag geworben. Das Ergebnis ist bekannt. Im Land befinden sich zurzeit unterschiedliche Realisierungsstufen des digitalen Bauantrags.
Auch zu erwähnen ist das Treffen der „kleinen Kammern“, das wir initiiert haben, um auf die verschiedenen Bedürfnisse und Strukturen der Länderarchitektenkammern besser reagieren zu können.
Dann gibt es noch einen unserer jüngsten Erfolge: die Einführung der Juniormitgliedschaft.
Sehr wichtig – und nur möglich durch den Dialog auf Augenhöhe – war unsere Mitarbeit an der großen Novelle der Landesbauordnung und dass wir Akzente setzen konnten. Das Bauen im Bestand wurde gestärkt.
Welche Themen hätten Sie gerne noch vorangetrieben?
Alexander Schwehm: Wir müssen auf jeden Fall dran bleiben an unserem Einsatz für einen qualitätvollen Schulbau. Wir haben zwei große Schulbaukonferenzen durchgeführt und mehrere Seminare. Das sollten wir weitermachen. Alle Schulbau-Veranstaltungen haben sehr guten Zuspruch erfahren, sowohl von Auftraggeber- als auch Auftragnehmerseite und der Politik. Wir sind auf einem guten Weg.
Ich möchte darauf aufmerksam machen, wie wichtig die architektonische sowie innen- und außenräumliche Qualität von privaten und staatlichen Gesundheitsbauten und Pflegeheimen ist. Es ist bekannt und gut erforscht, dass gut geplante Gebäudestrukturen und ansprechende Räume die Genesung fördern. In unseren jetzigen Klinikstrukturen fehlt oft sowohl das Eine als auch das Andere. Ich wünsche mir eine Konferenz für Klinik- und Gesundheitsbauten. Den Wunsch habe ich bereits in Gesprächen mit dem Bauminister und der Staatskanzlei verankert.
Möchten Sie den Kammermitgliedern noch etwas mit auf den Weg geben?
Alexander Schwehm: Wir sind nicht nur Architekten, sondern wir sind vor allem Menschen. Mein Ansporn war es, weg von der Golf-Club-Mentalität zu kommen, die uns oft vorgeworfen wird. Architektinnen und Architekten stehen nicht über den Dingen, sondern sie sollten sich als Dienstleister sehen. Ich wollte den Kolleginnen und Kollegen ein menschliches Gesicht geben und – zum Beispiel mit unseren Veranstaltungen – die Gelegenheiten bieten, schwellenlos ansprechbar zu sein.
Ein kollegiales Verhältnis hebt unsere gemeinschaftliche Expertise im Land hervor. Wenn wir zusammenarbeiten, können wir mit großen Büros konkurrieren. Wir sollten in Kooperationen denken.
Gemeinschaft, das ist auch ein Synonym für die Architektenkammer. Als Mitglieder der Kammer bilden wir eine Gemeinschaft, deren Interessen die Kammer nach außen vertritt. Die Kammer, das sind wir.
Vielen Dank, lieber Herr Schwehm. Wir wünschen Ihnen alles Gute!
Die Fragen stellte Kim Ahrend
