Das Thema Schulbau brennt mir seit mehreren Jahren unter den Nägeln“, bekannte Alexander Schwehm, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes (AKS) in seiner Begrüßung. Denn: „Es geht um Investitionen in die nächsten Generationen.“ Am 19.10.2023 hatte die AKS zur Schulbaukonferenz geladen. Etwa 190 Gäste aus der Architekturbranche, dem Schulwesen, den Kommunen und der Politik folgten dem vielseitigen und inspirierenden Programm.
In den Grußworten der Landesregierung, von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot und Staatssekretär Torsten Lang vom Ministerium für Inneres, Bauen und Sport, wurde das neue saarländische Schulbauprogramm „Baustein“ mit einem Fördervolumen von 205 Mio. Euro vorgestellt. Die anschließenden Vorträge beleuchteten die Rahmenbedingungen für einen „neuen Schultypus“ aus kommunaler, architektonischer, bauaufsichtlicher und architekturpsychologischer Sicht. Stefan Spaniol, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Saarländischen Städte- und Gemeindetages legte eindrücklich die „desaströse Finanzlage“ der saarländischen Kommunen dar. In Bayern werde dreimal so viel in den Kommunen investiert wie im Saarland. Es gebe aber Lichtblicke wie das Schulbauprogramm oder die in Aussicht gestellte Typengenehmigung. Im nachhaltigen Bauen sei das kommunale Bauen Vorreiter: Der Lebenszyklus von Gebäuden werde bei den Planungen bereits mitbetrachtet.
AKS-Vize Jens Stahnke näherte sich dem Thema „über seine Profession“ und damit über „Räume“. Die Räume in Schulen sollen über ihre Funktionalität hinausgehen. Die Atmosphäre müsse stimmen und ein Raum „Inspiration“ für die Kinder sein. Er sprach sich für mehr Flexibilität aus, bei der Klassenräume am Nachmittag als Betreuungsräume genutzt werden und forderte: „Wir möchten eine Leistungsphase Null.“ Sie dient der Entwicklung von Raumkonzepten und Nutzungsszenarien.
Umgesetzt wurde die Phase Null beim anschließend gezeigten Best-Practice-Beispiel „Erweiterung der Grundschule in Saarlouis-Steinrausch“. Das Projekt ist das Ergebnis eines Planungswettbewerbes. Ein Team aus Architekt, Schulleiterin, Vertretern des Schulträgers und des Bildungsministeriums demonstrierte eindrücklich, wie ein neuer Schultypus ohne Flure (die Flurschule sei ein Relikt aus der Kaiserzeit) aussehen kann und wie er von den Schüler:innen angeeignet wird.
Auch Uta Pitz, Leiterin der UBA des Regionalverbands war der Meinung, man solle sich frühzeitig zu einem runden Tisch zusammensetzen. Und wenn Planende Ideen clever umsetzen, klappe es auch mit dem Brandschutz. Darüber müsse man frühzeitig sprechen.
Psychologin Dr. Alexandra Abel referierte über „Bedürfnisorientierte Architektur im Schulbau“. Eine Empfehlung, die sich durch den prall gefüllten Kurzvortrag zog, war, dass Schüler:innen ihr Schulgebäude „aneignen“ müssen. Dazu zählen Partizipation oder auch „aneignungsoffene“ Materialien wie Sand statt Beton im Außenbereich.
Jens Stahnke appellierte in der Abschlussdiskussion, die bestehenden Schulen multifunktional, flexibel und sowohl als zeitgemäße Lern- als auch als Lebensorte für Schüler:innen umzubauen. „Haben Sie den Mut“, forderte Stahnke auf. Das sollen die am Schulbau beteiligten Akteure im Team anpacken. Denn: Den Wunsch von AKS-Präsident Schwehm, die Konferenz als Netzwerk-Veranstaltung zu sehen und den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, gilt es zu erfüllen.
Veranstalter der Schulbaukonferenz waren: Architektenkammer des Saarlandes in Zusammenarbeit mit Ministerium für Inneres, Bauen und Sport, Ministerium für Bildung und Kultur, Landesinstitut für Pädagogik und Medien, Saarländischer Städte- und Gemeindetag, Regionalverband Saarbrücken.
Text: Kim Ahrend





