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2. Preis Bez + Kock
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2. Preis Hascher Jehle
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2. Preis Muffler
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4. Preis FloSundK
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5. Preis Bogevischs Büro Hofmann Ritzer
REDE VON WILLI LATZ ANLÄSSLICH DER PREISVERLEIHUNG
(Begrüßung) Sehr geehrte ...,
ich habe die ehrenvolle Aufgabe, Ihnen die Sicht des Preisgerichtes zu dem Wettbewerb „Neubau eines zentralen Hörsaal- und Bibliotheksgebäudes für die medizinische Fakultät In Homburg" darzulegen. Das mache ich sehr gerne, zumal ich diese beiden Tage intensiver Preisrichtertätigkeit in äußerst produktiver, fruchtbarer und konstruktiver Grundhaltung aller Anwesenden empfunden habe. Großen Anteil daran hatte der heute leider verhinderte stellvertretende Vorsitzende des Preisgerichtes, Herr Architekt Ferdinand Heide aus Frankfurt. Mein persönlicher Eindruck der Preisgerichtssitzung war, dass in Anbetracht der festzustellenden, überdurchschnittlich hohen Qualität der Beiträge, aber auch im Wissen, welch immense Arbeit hinter jedem Wettbewerbsbeitrag steckt, Fachpreisrichter, Sachpreisrichter und Sachverständige gleichermaßen sehr ernsthaft bemüht waren, jedem Wettbewerbsbeitrag gerecht zu werden.
Das mögen Sie daran erkennen, dass wir zwei Tage zur Beurteilung der Arbeiten genutzt haben. Vielleicht aber auch an dem Indiz, dass wir uns nach dem ersten Orientierungsrundgang beim ersten „richtigen" Wertungs-Rundgang lediglich von 7 Beiträgen verabschiedet haben. Und zu guter Letzt mögen Sie es auch daran erkennen, dass insgesamt drei Rundgänge benötigt wurden, um letztendlich die acht Arbeiten herauszufiltern, die nach Ansicht des Preisgerichtes am ehesten die Kriterien der Aufgabenstellung erfüllten. Und diese Kriterien waren in der Auslobung sehr deutlich beschrieben: Es wurden Entwürfe erwartet, welche die zentrale, verbindende und vor allem auch repräsentative Funktion des Hörsaal- und Bibliotheksgebäudes als Kernstück des Bereiches für Forschung und Lehre darstellen können. Und ich möchte nochmal die Anforderung des Auslobers mit einer wörtlichen Wiedergabe der Ausschreibung präzisieren: „Das neue Gebäude soll einen repräsentativen Charakter erhalten und für den Gast sowie den Studenten ein zentraler Anlaufpunkt mit hoher Identifikation (im Sinne eines Wahrzeichens) sein können." Darüber hinaus sollte bereits der Eingangsbereich eine hohe Qualität für Lehre, Forschung und Aufenthalt ausstrahlen.
Letztendlich kam es in puncto Gebrauchstauglichkeit aber vor allem darauf an, dass das Zusammenspiel zwischen Foyer und Vorlesungssälen einerseits, sowie Foyer und Bibliothek andererseits, im täglichen Ablauf gut funktionieren. Diese Forderungen mögen sich für den Laien zunächst einfach anhören. All diese Kriterien und Abhängigkeiten einer Wettbewerbsaufgabe nicht nur zu erfüllen, sondern sie darüber hinaus in einer gestalterisch anspruchsvollen Qualität zu planen, ist eine mitunter sehr schwierige Herausforderung. Und diejenigen Büros, denen das nach Meinung des Preisgerichtes am besten gelang, gilt es heute zu prämieren. Gestatten Sie mir, dass ich mich darauf beschränke, nur einige wesentliche Entwurfsmerkmale oder Besonderheiten der Preisträger zu beleuchten. Beginnen möchte ich mit der Arbeit, die den fünften Preis erhielt: Die Arbeit von Bogevischs Büro Hoffmann Ritzer, München:
Eine solider und guter Wettbewerbsbeitrag, der unter Verzicht auf jegliche architektonische Attitüden, teilweise fast zurückhaltend das Raumprogramm umsetzt. Als sehr gelungen haben wir z. B. den Eingangshof empfunden. Diese Arbeit hätte das Zeug dazu gehabt, noch weiter vorne zu landen, wenn es ihr gelungen wäre, dem Hörsaalbereich eine stärkere städtebauliche Dominanz zu verleihen und die Qualität der Grundrisse auch bei den Fassaden spürbar werden zu lassen.
Wie eine weitere angekaufte Arbeit stammt der Beitrag auf Rang vier aus einem saarländischen Architekturbüro. Es ist die Arbeit des Saarbrücker Architekturbüros FloSundK. Ein wenig Regionalpatriotismus werden Sie mir an dieser Stelle gestatten: Bei lediglich sechs saarländischen Wettbewerbsbeiträgen von insgesamt 39 Arbeiten ist die Prämierung von zwei der acht prämierten Arbeiten ein „guter Schnitt", der das Planungspotenzial der Architekten im Saarland dokumentiert, und ich wünsche mir, dass sich die Fachbehörden hierdurch ermutigt sehen, zukünftig noch mehr saarländische Büros zur Wettbewerbsteilnahme zuzulassen.
Und wenn ich mir an dieser Stelle als Mitglied des Wettbewerbsausschusses der AKS eine letzte Anmerkung erlauben darf: In einer Preisgerichtspause am zweiten Tag waren sich die Preisrichter darin einig: Wenn, wie im vorliegenden Fall, zwei Tage für eine Preisgerichtssitzung zur Verfügung stehen, stellt es kein Problem dar, statt 39 auch 49 Arbeiten zu besprechen. Diese Zahl könnte man erreichen, wenn man zukünftig bei Aufgabenstellungen mit ähnlicher Relevanz statt 50 z. B. 60 Teilnehmer zu dem Verfahren zuließe.
Nun aber zu dem vierten Preis von FloSundK Architekten: Der Beitrag hat uns alle angesprochen: Ganz besonders hat dem zukünftigen Nutzer die nach Westen orientierte „Liegewiese" imponiert. Irgendwie erinnerte diese Situation den Nutzer an ein Freiraumflair, wie man es von amerikanischen Universitäten kennt. Darüber hinaus gelang es den Autoren über diesen Kunstgriff, das ansteigende Foyer in zwei Ebenen von außen fußläufig zu erschließen und somit einen unmittelbaren Zugang auch zu den Hörsälen zu ermöglichen. Die hierdurch entstandene Raumhöhe macht das Foyer zu einem großzügigen Entree. Positiv gesehen wurden auch die natürliche Belichtung beider Hörsäle und die unmittelbare Verbindung von Hörsaal und Foyer. Lediglich die Lage der Bibliothek im 2. OG und ein dreigeschossiger Lichthof wurden durch das Preisgericht kritisch gesehen.
Nach dem vierten Preis erwartet man üblicherweise den dritten Preis. Bei diesem Wettbewerb ist das nicht der Fall. Nach dem dritten Wertungsgang hat sich nach eingehender Diskussion herauskristallisiert, dass die verbliebenen 8 Arbeiten in drei Gruppen eingeteilt werden können. Und zwar in eine Gruppe mit drei Arbeiten, die zwar mit Ihrem Beitrag einzelne oder mehrere gute Ansätze aufzeigten, jedoch nicht alle Belange der Auslobung verfolgten. Diese drei Arbeiten wurden mit einem Ankauf bedacht. Einer weiteren Gruppe von zwei Arbeiten, die ich Ihnen gerade kurz vorgestellt habe, gelang es darüber hinaus, die vom Auslober geforderte „Adresse" darzustellen. Letztendlich verblieben drei Arbeiten, denen es in besonderer Weise gelang, die Interessen des Auslobers und Nutzers in ihren Arbeiten wiederzuspiegeln. Da jedoch keine der Arbeiten in allen Belangen sich deutlich gegenüber den anderen absetzte, und jede Arbeit doch zumindest ein wichtiges Kriterium nicht idealtypisch lösen konnte, haben wir uns im Preisgericht darauf verständigt, dass wir keinen ersten Preis, sondern drei gleichrangige zweite Preise verleihen wollen. Das versetzt den Auftraggeber in die Lage, drei sehr gute Arbeiten in einer Überarbeitungsphase optimieren zu lassen.
Der Wettbewerbsbeitrag des Büro Bez + Kock aus Stuttgart verstand es, die Kriterien der hohen Qualität sowohl in der Reaktion auf die städtebaulichen Rahmenbedingungen, vor allem aber auch im Entree idealtypisch zu lösen. Der Besucher betritt das Gebäude über ein dreigeschossiges offenes Foyer. Durch die geschickte Anordnung der Treppenanlage ergibt sich ein geschützter zurückliegender Bereich, der sich gut als Aula nutzen lässt. Die konzentrierte Umsetzung der Aufgabenstellung, die sich auch in einer überzeugenden Gebäudeform dokumentiert, findet ihre Entsprechung in recht günstigen Volumen- und Flächenwerten, was sowohl eine wirtschaftliche Umsetzung als auch Unterhaltung des Gebäudes erwarten lässt. In einer Optimierungsphase sehen wir bei dieser Arbeit die Möglichkeit, auch die Qualität der Fassade noch mehr auf den vom Nutzer gewünschten repräsentativen Charakter abzustimmen.
Dies wiederum ist in hervorragender Weise dem Büro Hascher und Jehle aus Berlin gelungen. Die Verfasser schlagen ein markantes Solitärgebäude vor, das durch seine gut gewählte Verortung eine spannungsvolle Beziehung zur historischen Aula aufbaut. Auch hier gibt es eine Eingangshalle über drei Geschosse, die den Wünschen des Nutzers nach Repräsentation voll umfänglich entsprach. Schwächen sahen wir hier in der Zugänglichkeit zu den Hörsälen (auch der barrierefreien Zugänglichkeit) und in der statischen Lösung der Überdachung des Hörsaals. Auch dieser Wettbewerbsbeitrag überzeugt zusätzlich über hervorragende Werte in Bezug auf Volumen und Hülle. Eine wirtschaftliche Umsetzung muss bezüglich der gewählten Glashülle noch näher untersucht werden.
Ein weiterer sehr überzeugender Beitrag war der Beitrag des Büro Muffler aus Tuttlingen wegen geradezu idealtypisch gelöster funktionaler und gestalterischer Ausarbeitung der Beziehungen zwischen Foyer und Hörsälen einerseits, aber auch Foyer und Bibliothek andererseits. Eine perfekte Grundrisslösung, die alle Forderungen an die Nutzung erfüllt. Auch diese Arbeit zählt zu den wirtschaftlichsten Beiträgen. Leider fehlt jedoch bei diesem Entwurf wegen seiner lang gestreckten, zweigeschossigen Ausführung das gewünschte repräsentative Erscheinungsbild.
Das Preisgericht hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, die drei gleichrangigen zweit en Preisträger hinsichtlich einiger Empfehlungen überarbeiten zu lassen. Gleichzeitig haben wir dem Auslober einstimmig empfohlen, einen der Preisträger unter Berücksichtigung der Überarbeitung zu beauftragen. Für Ihr Bekenntnis zur Baukultur im Saarland, welches Sie in der heutigen Begrüßung überzeugend zum Ausdruck gebracht haben, bedanke ich mich im Namen der Preisträger und Kollegenschaft sehr herzlich. Wenn wir berücksichtigen, dass in dieser Woche bereits zwei weitere Wettbewerbe entschieden wurden, so ist das für ein kleines Flächenland wie das Saarland eine tolle „Performance" am Jahresanfang, die uns alle hoffen lässt, dass dieser Weg über den Wettbewerb noch öfter in diesem Jahr eingeschlagen wird.
Willi Latz ist freier Architekt in Püttlingen, Saar