Mit einer weiteren Änderung der LBO, die am 15.04.2022 wirksam wurde, wurden im Wesentlichen zwei für Architektinnen und Architekten maßgebliche Änderungen vorgenommen – eine eher negativ, eine positiv.
 
1. Der Anhang zur LBO, der die Brandschutzanforderungen anschaulich in Bezug auf die Gebäudeklassen in einer Tabelle zusammenfasst, wurde gestrichen. Stattdessen wurden die Brandschutzregeln in den Text der LBO aufgenommen. In der Lesefassung sind die neu eingefügten Stellen rot markiert.
Die textliche Einfügung der Brandschutzanforderungen war aufgrund eines Vertragsverletzungsverfahrens, das die Europäische Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland geführt hatte, notwendig geworden und daher unumgänglich.
 
Da die Tabelle für Architektinnen und Architekten ein wertvolles Arbeitsinstrument war, hat die AKS sich sowohl in ihrer schriftlichen Stellungnahme vom 28.02.2022 als auch in der mündlichen Anhörung am 03.03.2022 vehement dafür eingesetzt, dass die Tabelle erhalten bleibt. Wir haben gefordert, die Tabelle im Anhang zur LBO trotz der textlichen Einfügungen beizubehalten. Dies ergäbe zwar doppelte Regelungen, die Arbeit der Architektinnen und Architekten mit dem Gesetz wäre allerdings sehr erleichtert. 
 
Dies ist leider nicht umgesetzt worden.
 
2. Die zweite Änderung ermöglicht Holzbauweise auch für die Gebäudeklassen 4 und 5. Diese Regelung ist leider nicht wie in der LBO Baden-Württemberg in einem verständlichen Satz gefasst, sondern mit Verweisen umgesetzt. Um zu verstehen, dass nunmehr die Verwendung des Baustoffes Holz nicht nur in der Gebäudeklasse 1-3, sondern auch 4 und 5 möglich sein soll, muss man nicht nur § 28 LBO lesen. Man muss diesen auch in Zusammenhang mit § 27 LBO sehen, speziell dort Absatz 2 Satz 4 und 5 und über den Verweis auf § 86a LBO das Ganze anhand der technischen Baubestimmungen verifizieren. 
 
Das Ergebnis haben wir begrüßt, aber die gesetzestechnische Umsetzung mit Querverweisen als wenig verständlich und anwenderfreundlich gerügt.