Eine an den Landtag des Saarlandes gerichtete Petition möchte anregen, behindertengerechte WCs im öffentlichen Raum mit Liegen auszustatten, um das Wechseln von Windeln auch für behinderte Erwachsene zu ermöglichen. Die AKS hat ihre Möglichkeit genutzt, hierzu Stellung zu nehmen:
Inklusives Gestalten ist für die Architektenkammer des Saarlandes ein wichtiges Thema, sowohl im Bereich Architektur als auch im Bereich Stadtplanung. Auf Bundesebene wird das Thema derzeit von den Regionalkonferenzen „Inklusiv gestalten - Ideen und gute Beispiele aus Architektur und Stadtplanung“ aufgegriffen, die sich zum Beispiel mit dem Schwerpunkt „Arbeit und Inklusion“ oder „Inklusion und Wildnis, Natur/Freizeit“ befasst haben.
Die in der Petition aufgeworfene Frage nach der Ausstattung von Behindertentoiletten im öffentlichen Raum ist nach unserem Dafürhalten von erheblicher Bedeutung. Für uns ist allerdings die Ausstattung des öffentlichen Raums mit einer ausreichenden Zahl von durchgehend zugänglichen Behindertentoiletten im öffentlichen Raum das drängendere Problem.
Ein Beitrag in der Saarbrücker Zeitung vom 17./18. April, Seite C3, zeigt deutlich auf, dass schon im Hinblick auf die Existenz von öffentlichen Toiletten erhebliche Defizite in Saarbrücken bestehen. Öffentliche Toiletten sind teilweise nur während der Öffnungszeiten der Kaufhäuser oder der öffentlichen Gebäude zugänglich, nur gegen Bezahlung möglich oder in einem bedauerlichen Zustand. Es gibt keine Schilder, die darauf hinweisen, wo sich Toiletten befinden. Das gleiche gilt für andere saarländische Kommunen wie z.B. Saarlouis.
Ist schon die grundsätzliche Ausstattung mit öffentlichen Toiletten eher dürftig, gilt dies erst recht für die Ausstattung des öffentlichen Raums mit behindertengerechten Toiletten. Hier meinen wir, sollte angesetzt werden: Es sollten mehr öffentliche, bewirtschaftete und behindertengerechte Toiletten geschaffen werden.
Die Ausstattung dieser neu zu schaffenden Toiletten mit Liegen zum Wechseln der Windeln ist nach unserer Ansicht nicht die einzige Lösung, um den Anliegen behinderter Menschen gerecht zu werden.
Zum einen würde durch die von der Petition vorgeschlagenen Lösung viel Raum verbraucht, was möglicherweise den Bau von weiteren behindertengerechten Toiletten im öffentlichen Raum eher erschweren würde. Zum anderen stellt sich die Frage, wie ein behinderter Mensch, dessen Windel nicht im Stehen gewechselt werden kann, auf eine solche Liege verbracht werden soll. Eine Begleitperson wird einen Erwachsenen, der nicht oder schlecht stehen kann, kaum auf die Liege heben können. Es bedürfte einer Hebevorrichtung, die dann regelmäßig gewartet werden muss. Der Anwendungsbereich einer Toilettenanlage mit Liege, aber ohne Hebevorrichtung wird daher unserer Meinung nach eher klein sein – ganz zu schweigen von der Möglichkeit der missbräuchlichen Nutzung solcher öffentlicher Liegen.
Daher möchten wir einen anderen Vorschlag unterbreiten, der das Windelwechseln von Erwachsenen im öffentlichen Raum möglich macht:
Es gibt in allen größeren Kommunen soziale Einrichtungen, die über behindertengerechte Toiletten - zum Teil mit Hebevorrichtungen - verfügen. Diese werden regelmäßig gewartet und werden in der Regel allen Hygieneanforderungen genügen. Eröffnete man behinderten Menschen den Zugang zu diesen Toiletten, wäre das unserer Ansicht nach die bessere Lösung.
Wir regen daher an, diesen Vorschlag – der im Übrigen auch von der Ingenieurkammer des Saarlandes mitgetragen wird – in Betracht zu ziehen.

Text: Dr. Carmen Palzer