Am 09.08.2022 waren Kammerpräsident Alexander Schwehm und Geschäftsführerin Dr. Carmen Palzer zu Gast bei Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Zuvor hatte sich die Architektenkammer im Zuge des Regierungswechsels bereits bei einigen der neuen Ministerinnen und Ministern vorgestellt. 
 
Zentrales Thema des Gespräches mit Ministerpräsidentin Anke Rehlinger war die Ertüchtigung der Schulen, vor allem der Grundschulen. Insbesondere die Corona-Pandemie hat die bestehenden baulichen Schwachstellen in den saarländischen Schulen vor Augen geführt, erläuterte Schwehm. Aber auch Platzmangel wird ein zukünftiges Problem der Schulen sein, da durch den Wechsel von G8 zu G9 der Raumbedarf ansteigen wird. 
 
Nach Ansicht der AKS ist daher eine zentrale baufachliche Überprüfung aller Schulgebäude erforderlich. Ziel dieser muss sein, die Schulen sowohl energetisch, sicherheitstechnisch als auch im Hinblick auf Hygienestandards – natürlich unter Einbeziehung aktueller pädagogischer Konzepte – zu ertüchtigen. 
 
Zukünftig sollen rentierliche Investitionen im Bereich der energetischen Sanierung nicht mehr auf die Schuldenobergrenzen der Kommunen angerechnet werden, berichtete Rehlinger. Diese Schuldenobergrenzen hätten Investitionen im Schulbau vielfach verhindert. Aus Sicht der AKS ist dies ein wichtiger Schritt, um die notwendigen Investitionen anzustoßen.
 
Ebenso ausführlich wurde über die durch die Klimakrise bedingten Anforderungen an Architektur und Städtebau gesprochen. Zum einen wurden Möglichkeiten zur Verbesserung des Mikroklimas im öffentlichen Raum, zum anderen auch Energieeinsparpotenziale durch die Forcierung des Bauens im Bestand diskutiert. Schwehm verwies darauf, dass dem Bauen im Bestand eine wichtige Rolle im Zuge des Klimawandels zuteil wird, da hier Ressourcen gespart und die bereits im Objekt gebundene graue Energie genutzt werden kann. Aus diesem Grund war man sich auch einig, dass die stärkere Förderung von Sanierungen zu befürworten ist. Hierbei sei es aber wichtig, nicht nur Großsanierungsprojekte, sondern mehr Kleinstmaßnahmen zu fördern, die von der breiten Bevölkerung finanziell getragen werden können. In diesem Zusammenhang betonte Schwehm auch die Notwendigkeit einer Umbauordnung. Eine solche würde das Bauen preiswerter machen und die Genehmigungsprozesse beschleunigen. Dies sei wichtig, um Anreize – hin zur Sanierung und weg vom (Ersatz-)Neubau – zu schaffen.
 
Weitere Themen waren die Fortführung des digitalen Bauantrags, die Vereinfachung der LBO und eine Implementierung der Datenbank di.BAStAI, in der alle Bauvorlagenberechtigten geführt werden. Auch die Notwendigkeit von Förderlotsen zur Stärkung der saarländischen Baukultur wurde thematisiert. 
 
Vielen Dank Frau Rehlinger für das sehr positive und konstruktive Gespräch. Die AKS freut sich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit der neuen Landesregierung und bietet ihre Expertise und Unterstützung bei der Umsetzung der genannten Themen an.
 
Text: Maria Balzert