"BNB ist immer die wirtschaftlichere Planung" 
 
Ziel der Infoveranstaltung war es, den Kammermitgliedern einen Einblick in das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundes zu geben. Das Angebot wurde gut angenommen: Die Veranstaltung war innerhalb kürzester Zeit ausgebucht.
 
Patrick Hoffmann, Referatsleiter und sein Mitarbeiter Christian Cazaux, Leiter der Leitstelle für Nachhaltiges Bauen im Referat Bundesbau des saarländischen Ministeriums für Inneres, Bauen und Sport zeigten anschaulich und kurzweilig, wie das Bewertungssystem entstand, wie es aufgebaut ist und warum sich Architektinnen und Architekten dafür interessieren sollten. AKS-Geschäftsführerin Dr. Carmen Palzer führte in Ihrem Grußwort einleitend ein: „Nachhaltigkeit ist ein großes Thema, auch für die Architektenkammer“ und „der Leitfaden Nachhaltigkeit ist bei Bundesbauten bereits verpflichtend“. Die beiden Referenten knüpften mit einem geschichtlichen Abriss zu Nachhaltigkeit an. Bereits 2011 wurde BNB verbindlich bei Bundesbauten eingeführt. Das bedeutet, Bundesbauten und auch Zuwendungsbauten (vom Bund geförderte Bauprojekte) müssen abhängig von Größe, Bauvorhaben und Fördervorgaben in Planung und Bau Kriterien des Nachhaltigkeitsstandards BNB erfüllen. Über einzelne Ausnahmen entscheidet die Konformitätsprüfstelle. Begleitet und unterstützt wird der Zertifizierungsprozess von sogenannten BNB-Koordinatorinnen und BNB-Koordinatoren. Auf Bundesebene ist deren Ausbildung im Saarland verortet.
 
Die Zahl an Zuwendungsbauten steigen, sodass auch die Nachfrage nach Architektinnen und Architekten mit Nachhaltigkeits-Expertenwissen in den freien Büros steigt.
 
Das System bildet die 3 Säulen der Nachhaltigkeit ab: Ökologie, Ökonomie, Soziokulturelles. Weitere Aspekte sind die Technische Qualität, Prozessqualität und Standortmerkmale. Es ist unterteilt in Hauptkriteriengruppen, Kriteriengruppen, Kriterien („Steckbriefe“) und Teilkriterien. Für eine Zertifizierung des Gebäudes durch die Konformitätsprüfungsstelle müsse jeder Steckbrief bearbeitet sein und mindestens 10 Punkte erreichen, erläuterte Cazaux. Das sind je nach Systemvariante ca. 40 Steckbriefe. Aufgrund des erreichten Erfüllungsgrades gibt es eine Bronze-, Silber oder Gold-Auszeichnung. Beide Referenten sind sich sicher, dass Planende schon stark auf Nachhaltigkeit achten. „Energiebedarf und Lebenszykluskosten kommen einem wahrscheinlich direkt in den Sinn“, so Hoffmann. „Aber denken Sie dabei auch an Risikominimierung, wenn Schadstoffe in Materialien vermieden werden oder an den Komfort und das Wohlbefinden des Nutzers?“ Als Fazit zeigt Hoffmann eine Grafik der lebenszyklusoptimierten Planung. Im Vergleich zur konventionellen Planung entstehen in Konzept- und Planungsphase zunächst höhere Kosten und ein größerer Zeitaufwand, danach sind die Nutzungskosten aber deutlich niedriger – auf 50 Jahre gesehen. „BNB ist immer die wirtschaftlichere Planung“, fasst Hoffmann zusammen.
 
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Text: Kim Ahrend