Vortragsbesucher im Foyer; Foto: Iris Maurer

Jakob Johannes Koch von der Deutschen Bischofskonferenz sprach über die Entwicklung von Kirchengebäuden in einer säkularen Gesellschaft

Der promovierte Liturgiewissenschaftler und Theologe Jakob Johannes Koch begann seinen rhetorisch exzellenten Vortrag für die Stiftung Baukultur Saar mit einer Reise in die Vergangenheit. So gab es früher in den meisten Städten und Dörfern Straßenschilder, auf denen die Gottesdienstzeiten angekündigt wurden. Heute besuchen immerhin noch 2,1 Millionen Katholiken sonntags einen Gottesdienst. „Das ist ungleich mehr als bundesweit sonntägliche Sportgroßereignisse besucht
werden“, fügte Koch hinzu.

Nicht nur in Saarbrücken gäbe es einen enormen Priestermangel. Aber gerade hier werden im kommenden Jahr die katholischen Gemeinden mit 75.000 Mitgliedern zur größten Pfarrei Deutschlands fusionieren. Diese Entwicklung muss sich auch in den kirchlichen Gebäuden und Immobilien wiederfinden.

Anhand einer Fotomontage verdeutlichte der Referent, dass die Kirchen schon immer die Stadtsilhouetten geprägt haben und dies auch zukünftig tun sollten. Sind die Silhouetten ohne Kirchen doch meist rein horizontal. In vielen Städten gibt es wie seit jeher die stadtplanerische Vorgabe, dass Hochhäuser die dominante Kirchenspitze nicht überragen dürfen. Doch wie lassen sich die Kirchengebäude erhalten, um das Stadtbild zu bewahren?

Die katholische Kirche zeigt sich zwar offen gegenüber Umnutzungen, gibt aber ein klares „Prioritätenranking“ vor. An erster Stelle stehe die gottesdienstliche Nachnutzung (dabei kommt aber nicht jede Religion in Betracht), an zweiter Stelle die kulturelle Umnutzung. Koch zeigt Beispiele von Bibliotheken und Ausstellungen in Kirchen. Kommerzielle Nachnutzungen werden nur unter einer ethisch strengen Prüfung erlaubt. Bei der Folgenutzung als Restaurant wird zum Beispiel auf faire (Arbeits-)Bedingungen geachtet.

Koch sprach außerdem die Teilumnutzungen von Kirchen an. Die gängigste Bauaufgabe ist dabei die Verkleinerung des Gottesdienstraumes und die Intergration von Pfarrbüro, Gemeindezentrum, Bücherei oder Kindergarten. Multiple Kirchenräume entstehen durch verschiebbare Wände oder bewegliches Inventar. Als Beispiel nannte der Theologe die Jugendkirche „eli.ja“ in Saarbrücken, die das feststehende Mobiliar entfernte, um einen flexiblen Kirchenraum zu schaffen. Auch die Umnutzung von Kirchen zu Kolumbarien mit kombiniertem Gottesdienstraum wurde bisher oft umgesetzt. Es gibt bekannte Beispiele wie von dem Architekten Volker Staab (Liebfrauenkirche in Dortmund).

Prinzipiell ist die Umnutzung von (meist denkmalgeschützten) Kirchen schwierig und teuer. Gerade auf dem Land sei diese Mammutaufgabe oft nicht zu stemmen, wie eine Wortmeldung aus dem Publikum ergänzte. Es fehlt unter anderem an finanzieller Planungssicherheit. Leider kommt es auch vermehrt zum Abriss bedeutender Kirchen.

„Die Umnutzung von Kirchen betrifft nicht nur die Kirche, sondern das Gemeinwesen, den Lebensraum Stadt. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, appellierte Koch. Das solle allen Kommunen klar sein. Dazu bedarf es eines Prozesses der Gemeinschaftsarbeit mit der Öffentlichkeit, der Presse und den Bürgermeistern, ergänzte ein Teilnehmer aus dem Auditorium. Dies greift auch Kochs Vorschlag einer „Church-Public-Partnership“ auf, die unter anderem „die öffentliche finanzielle Unterstützung von Machbarkeitsstudien für Kirchenumnutzungsprojekte wie zum Beispiel Architektenwettbewerbe“ fordern könnte oder auch „die Vermittlung zinsgünstiger Darlehen der KfW an Kirchengemeinden“. Ebenso wichtig seien angepasste gesetzliche Regelungen bei Baurecht und Denkmalschutz.

Text: Kim Ahrend