Wie die Architektenkammer des Saarlandes sich des Themas annimmt

Durch den engen Kontakt der Architektenkammer des Saarlandes mit dem saarländischen Ministerium für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie hat das Thema des „barrierefreien Bauens“ einen verdient großen Stellenwert bekommen. Wir möchten auf der einen Seite die Belange behinderter Menschen fördern. Auf der anderen Seite möchten wir zeigen, dass Sie – liebe Kolleginnen und Kollegen – als Architekten und Stadtplaner einen großen Beitrag zur „Inklusiven Gesellschaft“ leisten.

In der Kammerarbeit haben wir mehrere konstante Säulen, die das Thema tragen. Dazu gehört natürlich in erster Linie, ein entsprechendes Weiterbildungsangebot zum barrierefreien Bauen zu machen. Die Spanne reicht vom Grundlagen- bis Vertiefungsseminar.

Eine weitere Säule ist, dass wir uns als Kammer in die Gesetzgebungsverfahren einmischen. Zum Beispiel war bei der Anhörung zum Behindertengleichstellungsgesetz ein Schwerpunkt unserer Argumentation, dass Bestandsgebäude nicht wie Neubauten behandelt werden dürfen. Unser Fazit war, ein realistisches und eben auch realisierbares Maß für die gesetzlichen Auflagen zur Barrierefreiheit zu finden.

Kürzlich hatten wir die Möglichkeit, an einer Anhörung zu Behindertentoiletten im öffentlichen Raum teilzunehmen (s. DAB 08-21, ab S. 32). Wir haben insbesondere darauf hingewiesen, dass die Ausstattung des öffentlichen Raums mit behindertengerechten Toiletten nach unserer Ansicht ungenügend ist. Hier meinen wir, sollte angesetzt werden: Es sollten mehr öffentliche, bewirtschaftete und behindertengerechte Toiletten geschaffen werden. In der Diskussion stellte sich heraus, dass keine Informationen über das Vorhandensein und die Lage öffentlicher behindertengerechter Toiletten bekannt waren. Übereinstimmend sprach man sich für die Erstellung eines entsprechenden Informationsangebots über den Städte- und Gemeindetag aus.

Die dritte Säule ist eine aktive Öffentlichkeitsarbeit. Seit 2018 nimmt die Kammer am Sommerfest der Inklusion des Sozialministeriums teil. Ich stehe dort auf dem Podium Rede und Antwort zur Barrierefreiheit im Wohnen und Bauen – aus Sicht der Architektenschaft. Dies schafft ein Bewusstsein bei behinderten Menschen, sich zum Beispiel bei Umbauten an Architektinnen und Architekten zu wenden. Zudem ist die Kammer seit Kurzem Teil der Initiative „Saarland inklusiv“. Mit diesem Projekt ruft das Sozialministerium dazu auf, mitzumachen beim Fortschreiben des Landesberichts zur Situation der Menschen mit Behinderungen und des Landesaktionsplans zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Die AKS gibt ihren fachlichen Input.

Inklusives Gestalten in der Architektur liegt der Architektenkammer und speziell auch mir am Herzen. Deswegen möchte ich Sie alle dazu ermuntern, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und das nicht nur, weil es die gesetzlichen Vorgaben fordern, sondern weil es für unsere Gesellschaft so immens wichtig ist, dass wir Planerinnen und Planer inklusiv denken. Gebäude, ihre Räume und die gebaute Umwelt sind für alle Menschen da, sollten für alle erreichbar sein und von allen genutzt werden können. Wir liefern hierzu die neuen und intelligenten Planungsansätze.

Text: Alexander Schwehm