Alexander Schwehm; Foto: Werner Richner

Aktuell verzeichnet bereits eine Mehrheit der Ingenieur- und Architekturbüros negative Auswirkungen der Corona-Epidemie. Drei Viertel von ihnen erwarten ab dem 2. Halbjahr eine erhebliche Abschwächung der Auftragslage und finanzielle Einbußen. Diese Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage Mitte April zeigen: Beim Planen und Bauen schlagen die Krisenfolgen zeitversetzt zu Buche. Die Corona-Krise hat alle Wirtschaftsbereiche stark, zum Teil dramatisch getroffen. Neben den kurzfristigen Hilfsmaßnahmen, für die sich die Politik zweifellos engagiert und zutreffend einsetzt, sollte der Blick nun fest auf notwendige Maßnahmen gerichtet werden, die mittel- und längerfristig in dieser Krise helfen können.

„Schon jetzt ist abzusehen, dass die Auslastungsprobleme im Planungswesen mit zeitlicher Verzögerung auftreten werden. Daher ist es wichtig, heute schon die Auswirkungen der Krise in der Zukunft im Blick zu haben.
Denn Planungskapazitäten, die jetzt abgebaut werden, haben Auswirkungen auf wichtige und dringend benötigte Infrastruktur- und Hochbauprojekte von morgen“, sagt Dr. Frank Rogmann, Präsident der Ingenieurkammer des Saarlandes.
„Wenn nicht geplant wird, wird nicht gebaut“, ergänzt Alexander Schwehm, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes. „Es sollen sinnvolle Investitionen der öffentlichen Hand getätigt werden, und zwar dort, wo diese infolge der Corona-Krise unabdingbar geworden sind. Wie z.B. der Umbau und die Erweiterung von Schulen und Kindergärten, Wohnungsbau und Infrastruktur, damit notwendige Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können. Die Architektur- und Ingenieurbüros sind für diese Umbaumaßnahmen die richtigen Ansprechpartner.“

Mit Blick auf die Erwartungen der Virologen, dass vergleichbare Pandemien zukünftig häufiger auftreten könnten, sollten Lehren aus der Krise gezogen werden. Nicht nur in Gesundheitseinrichtungen, wie Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, und öffentlichen Gebäuden besteht baulicherseits Handlungsbedarf, auch der öffentliche Raum, respektive Straßen und Plätze, werden sich verändern müssen. Bei den anstehenden Sanierungsaufgaben sollten die jetzigen Erkenntnisse zu Abstands-
und Hygieneregeln bei der baulichen Gestaltung Berücksichtigung finden.

Aus Sicht der beiden Kammern sind Investitionen der öffentlichen Hand in doppelter Hinsicht geboten: dringend benötigte Infrastruktur- und Hochbauprojekte dürfen nicht ins Stocken geraten und es sind Maßnahmen zu treffen, um die Zukunft nicht nur der planenden Berufe über die kommenden Monate hinaus zu sichern. Daher fordern Architektenkammerpräsident Alexander Schwehm und Ingenieurkammerpräsident Dr. Frank Rogmann:

  • die Unterstützung der kommunalen Bauverwaltungen, um deren Funktionsfähigkeit zu sichern, damit vor allem Genehmigungsverfahren weiterbearbeitet werden können.
  • die Anpassung der Hilfspakete für die planenden Berufe sowie eine Verlängerung von Förderungen, Zuschussprogrammen und Entlastungen bei den Steuervorauszahlungen über die kommenden Monate hinaus
  • eine großzügige Bewilligung von Steuerstundungen und Absenkungen der Vorauszahlungen durch die Finanzbehörden über das 2. Quartal 2020 hinaus.
  • eine Abfederung coronabedingter Finanzierungsprobleme privater Bauherren, damit sich Bauprojekte nicht verzögern oder verhindert werden
  • eine konsequentere Ausrichtung der Sicherheits- und Hygienebestimmungen auf die Betriebsfähigkeit von Baustellen.
  • Umsetzung geeigneter digitaler Abstimmungsformate für Wettbewerbs- und Partizipationsverfahren

Vom 6. bis zum 14. April wurde die Blitzumfrage zur Lage der Architektur- und Ingenieurbüros unter dem Eindruck der Corona- Pandemie im Auftrag der Bundesarchitekten-und der Bundesingenieurkammer in ganz Deutschland durchgeführt. Die Umfrage soll in regelmäßigen Abständen wiederholt werden

Text: Gemeinsame Erklärung der Ingenieur- und Architektenkammer des Saarlandes