PRESSEMITTEILUNG

Saarbrücken, 26.05.2021

Schulbau mit und nach Corona: Architektenkammer des Saarlandes sieht Änderungsbedarf bei der Planung von Bildungsbauten

Kinder und Jugendliche brauchen ihre Schulen als Lern- und Lebensraum. Wechselunterricht und Homeschooling können eine Schule nicht ersetzen. Umso wichtiger ist es, die baulichen Begebenheiten so auszuführen, dass sich Schüler und Lehrkräfte gefahrlos im Unterricht begegnen können.

„Ich verstehe nicht, warum im Saarland Architektenleistungen für die Planung und Wettbewerbe von Schulen überwiegend nach dem gleichen Muster wie vor der Pandemie ausgeschrieben werden“, wundert sich Alexander Schwehm, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes (AKS). Er sieht Änderungsbedarf bei Umbau- und Erweiterungsplanungen sowie Neuplanungen. „Die Änderungen betreffen vor allem die Grundrissaufteilungen, die Raumlufttechnik und die Konzeption der Außenräume“, erläutert Schwehm. „Bei den räumlichen Änderungen sind außerdem die neuesten pädagogischen Konzepte zu berücksichtigen und die Raumlufttechnik sollte nach aktuellem technischen Stand und am besten darüber hinaus ausgeführt werden.“ Der jeweiligen Bauaufgabe entsprechend empfiehlt die Architektenkammer des Saarlandes, Innenarchitekt-/innen und Landschaftsarchitekt/-innen ins Planerteam zu nehmen.

Seiner Meinung nach wäre es sinnvoll, in Clustern zu denken. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich zwei Klassenräume ein Durchgangszimmer als sogenannten Schaltraum teilen. Dieser kann bei Bedarf der einen oder anderen Klasse zugeschaltet werden, offene Lernlandschaften statt sturem Frontalunterricht sind das Ziel. Wurden in den letzten Jahren die obligatorischen Waschbecken in den Klassenräumen wegrationalisiert, da vieles digital und ohne Kreide läuft, sind sie nun wieder unabdingbar. „Auch auf den Fluren sollten ausreichend Hygienestationen zum Händewaschen und Desinfizieren bereitstehen. Hierbei ist natürlich der Brandschutz zu beachten“, so Schwehm weiter. „Oft sind es Kleinigkeiten, die einen großen Effekt haben, wie zum Beispiel berührungslos funktionierende Betätigungsplatten für die Spülungen der WCs.“

Großes Potenzial sieht Schwehm in den Lüftungskonzepten der Klassenräume mit einer natürlichen Be- und Entlüftung als Querlüftung oder Belüftungsanlagen. Eine weitere Möglichkeit wäre der Einsatz von UVC-Technologie. Dabei töten Leuchten innerhalb der abgehängten Decke mithilfe von UVC-Strahlung Viren und Bakterien ab. Die desinfizierende Wirkung der UV-Strahlung der Sonne wird auf das künstliche Licht übertragen.

Schule findet nicht nur drinnen statt. Auch die Außenräume müssen adäquat mitgedacht werden. Das betrifft zum einen die Schulhöfe, die so gestaltet werden müssen, dass sich die Gruppenbildung zum einen entzerren lässt, aber den Lehrer/-innen der Überblick bei der Pausenaufsicht gewährt bleibt. Und ganz wichtig: „Die Kinder dürfen den Spaß nicht verlieren. Sie sollen sich nicht zu sehr unter Beaufsichtigung fühlen, sondern trotzdem Bereiche zum kreativen Toben haben“, mahnt der AKS-Präsident. „Und man darf nicht vergessen, dass draußen die Virenlast am geringsten ist. Deswegen bieten sich die Außenräume auch als Lernlandschaften an. Das Planen von Freiklassen sollte meiner Meinung nach verpflichtend werden.“

Bestehende Bildungsbauten müssen angepasst und bei Neuplanungen auf die geforderten Hygiene- und Abstandsregeln eingegangen werden. „Es wird kein ‚wie vor der Pandemie‘ geben. Schule hat sich geändert und ändert sich. Das sollten alle Bauherrinnen und Bauherren bei der Ausschreibung von Planungsleistungen beachten“, resümiert Schwehm.