Kim Ahrend, Cathrin Moll; Foto: Christina Danner

Interview mit den beiden Vorstandsmitgliedern Cathrin Moll und Jens Stahnke
Interview: Kim Ahrend

Die Mitgliederversammlung hat im September turnusmäßig das Präsidium, den Vorstand und einen Großteil der Ausschüsse für die kommenden 4 Jahre neu gewählt. Doch was bewegt Kammermitglieder dazu, sich neben Beruf, Familie und Freizeit ehrenamtlich zu engagieren? Die Redaktion des saarländischen Regionalteils hat bei den beiden Vorstandsmitgliedern Cathrin Moll und Jens Stahnke nachgefragt.

 
DAB: Sie beide waren bereits Mitglieder des vorangegangen Vorstands. Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wiederwahl! Was hat Sie dazu bewogen, wieder für den Vorstand zu kandidieren?
Moll: Grundsätzlich begleitet mich seit meiner Kindheit der Spruch: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ So ist es mit ganz vielen Dingen im Leben: Wenn man etwas verändern und bewegen will, muss man es selbst anpacken. Die Vorstandsarbeit interessiert mich sehr und ich möchte mich für unseren Berufsstand einsetzen. Dadurch, dass ich vorher selbstständig gearbeitet habe und nun seit einigen Jahren angestellt bin, sehe ich mich als Schnittstelle zwischen beiden Tätigkeitsarten und erkenne rasch, was besser klappen könnte.
Stahnke: Die Wiederwahl ist daraus entstanden, dass der Vorstand bereits 4 Jahre erfolgreich zusammengearbeitet hat. Wir sind ein sehr kollegiales Team und möchten gerne die Prozesse, die wir angefangen haben, zu Ende bringen. Es freut mich, dass der Vorstand komplett wiedergewählt wurde und nun gemeinsam weitermachen kann. 
 
DAB: Frau Moll, Sie vertreten die beamteten und angestellten Kammermitglieder. Deren Anteil nimmt knapp zwei Drittel der gesamten Mitgliederzahl ein, Tendenz steigend. Wie unterscheiden sich die Wünsche der Angestellten von denen der Freischaffenden? 
Moll: Leider sind die zwei Drittel nicht so sichtbar wie das Drittel der Freischaffenden.Dadurch erscheint die Kammer oft als reine Vertretung der Freischaffenden. Deswegen würde ich mir wünschen, dass ein paar mehr angestellte Kammermitglieder bei den Kammeraktivitäten präsent sind. Die gemeinsame Schnittmenge liegt hauptsächlich bei den technischen Themen. Ich würde sagen, Themen, die Selbstständige betreffen, waren in den letzten Jahren verstärkt im Fokus der Kammerarbeit. Da wäre zu schauen, wie man die Angestellten mit mehr Eigenverantwortung integrieren kann. Bezüglich des Fortbildungsangebots möchten wir bei der öffentlichen Hand abfragen, welche Seminare sie sich wünschen, um auch in diesem Bereich eine stärkere Präsenz zu erzielen. 
Generell sind zwischen angestellten und freischaffenden Kolleginnen und Kollegen teilweise Fronten erkennbar. Diese rühren eventuell daher, dass angestellte Kammermitglieder eher auf Auftraggeberseite arbeiten. Ich möchte versuchen, diese Fronten abzubauen und das gegenseitige Verständnis zu fördern.
 
DAB: Herr Stahnke, Sie füllen gleich mehrere Ämter aus: sind Vizepräsident, vertreten die Freischaffenden und die Fachrichtung Stadtplanung. Was sind die Schwerpunkte Ihrer Amtszeit?
Stahnke: In meiner Position als Vizepräsident suche ich aktiv ein Thema oder greife ein relevantes auf. Diese setze ich dann gemeinsam mit der Geschäftsstelle um. Dazu hat man als Vize oder Vorstandsmitglied die Mittel, auch finanzieller Art, und den nötigen Rückhalt. Der Kongress für nachhaltiges Bauen ist ein ganz gutes Beispiel dafür. Wir haben versucht, das relevante Thema Nachhaltigkeit den Kammermitgliedern zu vermitteln.
Als Stadtplaner vertrete ich eine Minderheit. Wir schließen die Lücke zwischen Hochbauarchitekten und Landschaftsplanern und haben keinen leichten Stand. Und leider auch nicht viele Aufträge. Wir haben hier im Saarland eher eine Sonderstellung. Das merke ich daran, wenn ich an Sitzungen der Bundesarchitektenkammer teilnehme. Da sitzen gleich mehrere Vertreter aus Nordrhein-Westfalen oder Bayern. Die haben eine viel größere Lobby.
 
DAB: Der Vorstand hat 8 Mitglieder, davon 3 Architektinnen und 5 Architekten. Da ich selbst Architektin bin, darf ich Sie fragen, Frau Moll: Werden Sie gezielt auch die Kolleginnen vertreten?
Moll: Das Thema liegt mir persönlich sehr am Herzen. Ungefähr die Hälfte der Architekturabsolventen sind weiblich. Doch finden Frauen, wenn die „Lebensmasse“ über sie hereinbricht wie Erziehung der Kinder, Pflegebedürftigkeit von Angehörigen etc. oft nicht in den Beruf zurück. Soweit ich weiß, sind nur 10 Prozent der Führungskräfte in Architekturbüros weiblich und nur 30 Prozent der Architekturabsolventinnen sind in ihrer Branche tätig und auch sichtbar. Ich möchte, dass wir als Kammer Architektinnen darin unterstützen, sichtbarer zu werden und auch Führungspositionen zu übernehmen. Dabei geht es nicht um eine Frauenquote, sondern um Unterstützung. Das möchte ich betonen. Ein großes Tema ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Diese betrifft natürlich auch Männer. Es sollte Normalität werden, dass auch Männer Elternzeit nehmen. Und es bräuchte meiner Meinung nach neue Strukturen und Arbeitszeitmodelle in den Büros. Das ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess.
 
DAB: Was möchten Sie abschließend den Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben? Warum sollten sie sich ehrenamtlich engagieren?
Stahnke: Für mich ist das äquivalent dazu, wie man sein Leben führen möchte. Möchte man das selbstbestimmt machen oder möchte man sich die ganze Zeit nur beschweren. Ich hatte immer das Gefühl, wenn ich nur meckere und nörgele, bringt das nichts. Sondern ich muss aktiv werden. Dadurch kann man Dinge beeinflussen und dreht mit daran, seines Glückes Schmied zu sein. Und wenn man dann tatsächlich etwas bewirkt, ist das sehr befriedigend.
Außerdem spürt man den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen nie so intensiv wie im Ehrenamt. Sonst ist man als Selbstständiger oft in einer Konkurrenzsituation. Das gemeinsame Erarbeiten von Lösungen und das gemeinsame Vertreten eines Ziels findet vor allem im Ehrenamt statt. Das ist sehr verbindend und das schätze ich an der Vorstandsarbeit.
Moll: Das sehe ich ganz genauso. Ich ziehe sehr viel Positives aus der Vorstandsarbeit. Man kann gemeinschaftlich Dinge besprechen und sieht, man ist nicht alleine. Es entstehen neue Kontakte. Das ist eine unglaubliche Bereicherung. Es ist eine Arbeit, von der man sehr viel zurückbekommt. 
 
DAB: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin alles Gute für Ihre erfolgreiche Vorstandsarbeit.
 
Cathrin Moll ist angestellte Architektin beim saarländischen Ministerium für Inneres Bauen und Sport.
Jens UKFW Stahnke ist Architekt und Stadtplaner und gemeinsam mit Mario Krämer Begründer und Gesellschafter der Saarbrücker FLOSUNDK architektur + urbanistik GmbH.