Die Kooperations-Online-Veranstaltung gab einen Überblick über die angepasste Neubauförderung im Programm EH/EG 40 Nachhaltigkeits-Klasse
 
Am 20. April wurde zwar die Neubauförderung der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) vorübergehend wieder aufgenommen. Doch bereits nach drei Stunden war das Budget von einer Milliarde Euro aufgebraucht. Seit dem 21. April ist die KfW-Neubauförderung nur noch mit dem Qualitätssiegel nachhaltiges Gebäude (QNG) möglich. Nachhaltigkeit ist nun also auch politisch im Bauen angekommen. 
 
Infolge ist der Informations- und Beratungsbedarf enorm. Über 150 Teilnehmende haben sich der gemeinsamen Online-Infoveranstaltung der Architektenkammer des Saarlandes und der Ingenieurkammer des Saarlandes mit dem saarländischen Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie/ Landeskampagne „Energieberatung Saar“ und ARGE SOLAR zugeschaltet. 
 
„Klimaschutz ist Teamwork“, leitete Staatssekretärin Elena Yorgova-Ramanauskas in ihrem virtuellen Grußwort ein. Und es gehe um nicht weniger, als „um die Zukunft unseres Landes und unseres Planeten“.
 
Den geänderten Förderprozess verdeutlichten die beiden Referenten an ihren beiden Vorträgen zum QNG. Oliver Völksch, Energieberater und externer Sachverständiger für die KfW berichtete von Fördermittelgeberseite. Wesentlicher Unterschied ist, die KfW sei vorher Programm-Manager gewesen, nun sei sie zusammen mit der BAFA Durchführer. Aktuell greift die 2. Stufe der Neubauförderung: EH40-NH. Ab 2023 ist ein neues Programm geplant, „Klimafreundliches Bauen“, zu dem erst sehr wenig bekannt sei. Völksch erläuterte, dass es für die Neubauförderung keinen Direktzuschuss mehr gibt, sondern ein Darlehen (mit einem Zinssatz ab 2 %) mit Tilgungszuschuss. Der Tilgungszuschuss beträgt 12,5 %, max. 18.750 € pro Wohneinheit. Die Fachplanung, Baubegleitung und Nachhaltigkeitszertifizierung sind zum Teil förderfähig – bei großen Mehrfamilienhäusern können das bis zu 40.000 € Tilgungszuschuss sein.
 
Joost Hartwig, Geschäftsführer bei ina Planungsgesellschaft mbH in Darmstadt, gab eine kurze Einführung in die Gebäudezertifizierung. Mit dem QNG sei ein weiterer Akteur im Förderprozess aufgetaucht. Der/ die Nachhaltigkeits-Auditor:in reicht die Dokumentation bei einer unabhängigen Zertifizierungsstelle ein und berät das Planungsteam. 
 
Wer ein QNG-Siegel für sein Gebäude haben möchte, muss es komplett nach einem Gebäudezertifizierungssystem bewerten lassen und bekommt anschließend auch das QNG-Zertifikat. Als Gebäudezertifizierung stehen je nach Gebäudetyp mehrere Systeme zur Auswahl, z. B. DGNB als das reichweitenstärkste. Hier sieht der Referent einen „Flaschenhals“: Es gäbe zurzeit ca. 780 DGNB-Auditoren und 13.000 Energieeffizienzexperten. Demnach ist momentan die Nachfrage nach Auditoren sehr groß, das Angebot aber überschaubar. Das könne die Kosten nochmals nach oben treiben. Generell sei das QNG im Wohnungsbau nur ab einer gewissen Gebäudegröße wirtschaftlich. Und es werde einen hohen Fortbildungsbedarf geben.
 
Dem nimmt sich die Architektenkammer des Saarlandes an. Gemeinsam mit allen Länderarchitektenkammern wird an einem gemeinsamen Konzept, dem „Fortbildungsstandard Nachhaltigkeit“ gearbeitet.  
 
Text: Kim Ahrend