Bei einer Veranstaltung der Stiftung Baukultur Saar berichtete Patrick Berberich, welche Ziele er verfolgt 
 
Text: Silvia Buss
 
Freundlich, höflich, sachbezogen, aber auch etwas vage, so gab sich der neue Baudezernent Patrick Berberich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Saarbrücken. Dass sein Vortrag, zu dem die Stiftung Baukultur Saar in die Architektenkammer eingeladen hatte, wegen Corona nur als Online-Liveübertragung stattfinden konnte, tat dem Interesse keinen Abbruch, im Gegenteil. 150 Teilnehmende verfolgten an ihren Bildschirmen die Veranstaltung, die Stiftungsvorsitzender Wolfgang Lorch moderierte, und damit wohl fast mehr als in den sonst genutzten VHS-Saal gepasst hätten. Bei diesem Auftakt zur Vortragsreihe unter dem Jahresmotto „Potenziale“ wollte die Stiftung Baukultur erfahren, wie Architekt Lorch eingangs deutlich machte, welche „neuen und strategischen Ziele“ und welche Prioritäten und Zielsetzungen bei den vielen „geerbten“ Baustellen der „Neue“ hat.
 
Berberich, der anders als seine Vorgänger nicht als Architekt und Städtebauer, sondern als Bauingenieur und Jurist ins Amt gekommen ist, hatte sich entschieden, unter dem Motto „Zukunft gemeinsam gestalten“ neun Themen, die die Stadtverwaltung und sein Dezernat bewegen, vorzustellen. Oberstes Ziel für das Baudezernat  ist ihm zufolge, die Attraktivität Saarbrückens zu erhalten und zu erhöhen. Berberich gab da ein klares Bekenntnis zum (Architekten- und Ideen-)Wettbewerb um die besten Entwürfe ab, um eine hohe Gestaltungsqualität zu erreichen, ebenso aber auch zum Städtebaubeirat und dem für Bauherren unbequemen Gestaltungsbeirat, aus dem, so Berberich, noch jeder Entwurf besser herauskomme als er hineingegangen sei.
 
Beim Thema Wachstum Saarbrückens und Baulandmobilisierung, also schonender Umgang mit nicht-bebauten Flächen, stellt Berberich die Innenentwicklung und Nachverdichtung durch Baulückenschließung an erste Stelle. Neuerdings geht das Baudezernat, nachdem es die Baulücken erfasst und kategorisiert hat, die aktive Kontaktaufnahme zu Eigentümern von Baulücken an, um durch 
Dialog und Suche nach Lösungen dem Ziel einer Lückenschließung näher zu kommen.
 
Durch geeignete Maßnahmen in der Bauleitplanung will Berberich auch dafür sorgen, dass Aufstockungen von bestehenden Häusern zur Nachverdichtung stärker in Frage kommen. Ganz ohne die Schaffung von neuem Bauland für Wohnen und Gewerbe kommt man seiner Überzeugung nach aber nicht aus.
 
Zum Thema, welche Konsequenzen Stadtentwicklung aus der Pandemie ziehen muss („Post-Corona-Strategie“) , hob er die Bedeutung der Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohngebiete hervor. Die Stadt sei dabei gefordert, durch städtebauliche Begleitmaßnahmen die Voraussetzung für die Eignung zum Wohnen zu schaffen. Im Bereich Becolin-Gelände, sagte er später, habe man die entsprechenden Entschlüsse gefasst, um ein Mischgebiet (Urbanes Quartier) aus Wohnen und Gewerbe zu ermöglichen, der Investor sei jetzt dabei, das weiter zu untersuchen. 
 
Auch beim „Nachhaltigen Bauen“ sieht Berberich Bauleitplanung gefordert, und zwar um Gründächer und Photovoltaik bei Neubauten zu ermöglichen. Und er weist daraufhin, dass die Stadt angesichts der Starkregenereignisse bei Erschließungen inzwischen Regenrückhaltemaßnahmen immer mit einplant.
 
Sehr groß schreibt Berberich den Bürgerdialog, den die Stadt zusätzlich zur gesetzlich vorgeschriebenen Bürgerbeteiligung bei Bebauungsplanverfahren nun als regelmäßiges Instrument etablieren will, als erstes zum neuen Gebiet Osthafen und zur angedachten Einführung von Tempo 30. Auch die Verkehrswende zählt Berberich zu seinen neun wichtigen Zukunftsthemen. Man wolle den Umweltverbund stärken, dem Fuß- und Radverkehr und ÖPNV größere Bedeutung beimessen, – ohne dabei aber den motorisierten Individualverkehr zu lähmen. Der Verkehrsfluss bleibe Priorität, wie er einschränkend anfügte. Berberich: „Unser Ziel ist nicht das E-Auto, das im Verkehrsstau steht.“
 
In der Fahrradzone Nauwieserstraße will die Stadt, wie er später andeutete, offenbar nachbessern, um den Durchgangsverkehr auf dem Viertel herauszuhalten. Ausführlich stellte er anschließend elf bekannte große Bauprojekte Saarbrückens vor, angefangen vom Vorhaben Congresshallenerweiterung über die Sanierung der Alten Brücke, das Park&Ride-Parkhaus an der Saarbahnstation Brebach bis hin zum Radweg Metzer Straße, dessen vierter Bauabschnitt bis zur Grenze gerade endlich im Bauausschuss beschlossen wurde.
 
 Ob er nicht ein großes Zukunftsprojekt, eine Vision für Saarbrücken habe, wollte Architekt Lorch zum Abschluss von Berberich wissen. Für ihn sei die Entwicklung der Vielzahl von Ideen wichtiger, entgegnete der Dezernent und fügte hinzu: „Dass wir die Projekte zur Umsetzung bringen, damit sie von den Menschen genutzt werden können, das ist für mich meine Vision“.