Kristina Betz (VHS), Ulrich Pantle (htw saar); Foto: Kim Ahrend

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses gab Professor Ulrich Pantle bei der AKS-Kooperationsveranstaltung mit der VHS Saarbrücken seinen Zuhörern einen umfassenden Überblick zu Bauhaus und Architektur

Den Bauhaus-Stil gibt es nicht.“ Mit dieser Kernaussage begann Ulrich Pantle, Professor an der Schule für Architektur Saar an der htw saar, seinen Vortrag. Das dürfte einige der Zuhörer verwundert haben. Drängten sich schließlich nicht nur Kammermitglieder in dem dicht gefüllten Vortragsraum, sondern überwiegend interessierte Laien. Die Kernaussage belegte er durch seinen dreiteiligen Vortrag, in dem er sich zunächst dem Bauhaus annäherte, anschließend dessen Chronologie darlegte und zuletzt ein Fazit zog.

Das Jubiläumsjahr wurde genutzt, um das Bauhaus populärer zu machen. So wurden gleich 3 neue Museen gebaut: Das Bauhaus- Museum in Weimar, ein weiteres in Dessau und das Bauhaus-Archiv in Berlin wird erweitert. Der Begriff des Bauhaus-Stiles wird gerne in der Einfamilienhausbranche genutzt und meint damit schlichte Baukörper mit Flachdach. Doch nach Ulrich Pantles Vortrag weiß man: Das ist zu kurz gesprungen.

„Die Moderne ist ein Epochenprozess und wurde durch die Industrialisierung geprägt“, erläuterte Pantle. Es ging darum, der Verelendung in den Städten entgegen zu wirken und für die Stadtbewohner bessere, gesündere und sozialere Lebensbedingungen zu schaffen.

Gartenstädte, das Arts and Crafts Movement oder die Gründung des Deutschen Werkbunds waren Meilensteine einer Reformbewegung mit dem Ziel, „Kunst, Industrie und Handwerk zu verbinden“.

Vorläufer des Bauhauses ist die Kunstgewerbeschule in Weimar, die 1909 Architektur- Autodidakt Henry van der Velde erbaute. Gründungsdirektor des „Staatlichen Bauhauses in Weimar“ war im April 1919 schließlich Walter Gropius. Eine überraschende Anekdote Pantles: „Gropius hatte weder ein Diplom, noch konnte er zeichnen.“ Mit dem Bauhaus entstand eine Art neues Lebensgefühl. Die Idee war nach wie vor, den Menschen bezahlbaren Wohnraum zu bieten. Ein Ansinnen, das aktueller nicht sein könnte.

„Gropius hatte weder ein Diplom, noch konnte er zeichnen"

Gropius begann seine Tätigkeit mit einem Manifest, dessen erster Satz lautete: „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau!“ Er wollte Künstler und Handwerker in einer Person verbinden. Entsprechend war die Lehre des Bauhauses ausgerichtet. 1926 erfolgte die Umsiedlung nach Dessau in das bekannte von Walter Gropius entworfene Bauhausgebäude. Mit den Meisterhäusern für die Lehrer sowie einer Siedlung in Dessau-Törten wurde die theoretische Lehre für Studierende und Öffentlichkeit sichtbar und begreifbar.

Nachfolger Gropius‘ wurde 1928 der Architekt Hannes Meyer. Mit seiner These „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ arbeitete er an der Weiterentwicklung von Architektur als Massenproduktion: Vorfabrizierung, Montage und Demontage waren seine Themen.

Der letzte Direktor von 1930-32 war Ludwig Mies van der Rohe, damals bekannt durch seinen Wohnblock in der Stuttgarter Weißenhof-Siedlung und dem „Barcelona-Pavillon“ für die Weltausstellung 1929. Vor allem hier lässt sich erkennen: Mies van der Rohe verschließt sich nicht dem Luxus. Denn Edelstahl und Marmor dominieren. Bekannterweise wurde das Bauhaus durch die Nationalsozialisten geschlossen. Doch damit endete nicht dessen Ära. Sie lebte durch ihre Lehrer und deren Einflüsse fort. Als Beispiele nannte Pantle das Black Mountain College in North Carolina, das IIT in Chicago und die Hochschule für Gestaltung in Ulm. In seinem Fazit betonte er: „DAS Bauhaus gibt es nicht. Man müsste vom Plural oder von unterschiedlichen Facetten sprechen.“ Man wollte „das Leben und die Kunst“ zusammenzubringen.

Vielleicht brauchen wir gegenwärtig wieder ein bisschen mehr „Bauhaus“, denn Pantle resümierte: „Wenn wir heute über Architektur sprechen, wird diese oft nur noch wirtschaftlich und technisch betrachtet.“

Text: Kim Ahrend