Reinhard Drees empfiehlt einfache Bewerbungsverfahren ohne Referenzen.

Zahlreiche Praxisbeispiele, Fakten und Empfehlungen: AKS-Präsident Alexander Schwehm konnte zur 3. Auflage der Vortragsreihe „Mehr Wettbewerb“ den erfahrenen Wettbewerbsbetreuer Reinhard Drees (Architekt/ Stadtplaner, Drees & Huesmann . Planer) aus Bielefeld begrüßen. Fokus des diesjährigen Referats waren Wettbewerbe in den „kleinen“ Fachrichtungen Innen- und Landschaftsarchitektur sowie Stadtplanung.

Reinhard Drees sprach nicht über Baukultur, sondern vermittelte, was bei der Durchführung von Wettbewerben wichtig ist. Anhand seiner Statistik entkräftete er das gängige Vorurteil, Wettbewerbe würden häufig nicht realisiert; der Anteil der beauftragten Wettbewerbe liege bei 85 Prozent. Und eine weitere Erkenntnis: 90 Prozent der Wettbewerbe werden mit dem 1. Preisträger umgesetzt. 

Bei einer durchschnittlichen Verfahrensdauer von viereinhalb Monaten – von der Bekanntmachung bis zum Preisgericht –  spiele es keine Rolle, welche Verfahrensart der Vergabe (Verhandlungsverfahren/ mit Planungsvorschlägen/ mit offenem Planungswettbewerb/ mit nichtoffenem Planungswettbewerb) gewählt werde: „Alle vier Verfahren brauchen die gleiche Zeit“, betonte Drees. Anonyme Verfahren sind eindeutig seine erste Wahl. „Verhandlungsverfahren mit Lösungsvorschlägen sind im Grunde teurer“ und aus seiner Sicht nicht empfehlenswert.

Was er sehr wichtig findet: Eine intensive Vorbereitung (LPH 0) mit klaren Festlegungen der Planungsaufgabe und des Raumprogramms. Wichtige Fragen müssen vorab geklärt werden: Ist die Planung für eine Beteiligung der „kleinen“ Fachrichtungen geeignet?  Welche Voraussetzungen, z. B. hinsichtlich der Bauvorlageberechtigung bei Innenarchitekten, sind zu erfüllen? Welche Fachrichtungen sind zugelassen und wie kann man diese kombinieren? Und: Wer hat den Hut auf?

Handelt es sich z. B. um die Planung und Gestaltung von Gebäudeinnenräumen,  können Architekten und Innenarchitekten einzeln zugelassen werden. Geht es um eine Gebäudeplanung, sollten Innen- und Landschaftsarchitekten lediglich in Bewerbergemeinschaften mit Architekten zugelassen werden. Steht eine  Freiraumplanung an, ist zu entscheiden, ob Stadtplaner auch solo oder nur in Bewerbergemeinschaften mit Landschaftsarchitekten zugelassen werden.

Die kleinen Fachrichtungen haben es tendenziell schwer. Beinhalten Auslobungen, die sich an Architekten richten, auch landschaftsplanerische Leistungen, empfiehlt Drees: „Wenn kein weiterer Auftrag (für einen  Landschaftsarchitekten – Anm. d. Verf.) dahinter steht, können nur funktionale Aussagen gemacht werden. Nach diesem Plan kann kein Landschaftsplan gemacht werden.“ Zur Teilnahme von Landschaftsarchitekten bei Schulwettbewerben hat der Wettbewerbs- und Vergabeausschuss der AK NW im Sommer beschlossen, „diese nur in Kombination freizugeben“.

Über welchen Fachbeitrag der Wettbewerb entschieden wird, ist ein wichtiger Aspekt bei interdisziplinären Wettbewerben. Bezüglich der weiteren Beauftragung nahm Drees Bezug auf die RPW § 8 (2), wonach das Bewerberteam zu beauftragen ist, unabhängig von der Qualität der einzelnen Fachbeiträge.

Mit offenen Wettbewerben sind die Auslober wegen der Vielzahl der Arbeiten oft überfordert, meint er und plädiert für nichtoffene Wettbewerbe. „Ein Losverfahren ist kein Risiko für den Auslober. Die gelosten Teilnehmerbüros sind genauso gut wie die gesetzten Büros.“ Dies zeige die Anzahl der Prämierungen. Wie eine angemessene Beteiligung von kleineren Büros und Berufsanfängern gelingen kann? „Mit unkomplizierten, einfachen Bewerbungsverfahren, papierlos, ohne Referenzen und nur über das Internet“.

„Sondertöpfe“ mit fünf oder zehn Prozent für junge und kleine Büros lehnt Drees ab. Neben einer Benachteiligung dieser Gruppe gehe dem Auslober auch ein großes kreatives Potenzial verloren. Öffentlichen und privaten Auslobern empfiehlt er, 20 bis 30 Teilnehmer zuzulassen, davon drei bis fünf gesetzte (ohne Referenzen).

Hinsichtlich der weiteren Beauftragung verwies er auf ein Protokoll des Wettbewerbs- und Vergabeausschusses der AK NW vom Januar 2019: „... Hingewiesen wird auch auf die Möglichkeit, nur mit dem ersten Preisträger zu verhandeln und Verhandlungen mit allen Preisträgern lediglich in dem Fall vorzunehmen, wenn mit dem ersten Preisträger keine Einigung zustande kommt...“.

„Bei den Kosten gibt es riesen Sprünge“, konstatiert Drees. Kostenberechnungen von den Teilnehmern zu fordern, „bringt nichts“. Diese Leistungen sollte ein externes Büro erbringen. Denn dass die Teilnehmerbüros Mindestwerte ansetzen und keine Preisindizes oder Unsicherheiten berücksichtigen, ist für ihn klar. 

Einziger Wermutstropfen an diesem Nachmittag: Nur ein kommunaler Vertreter war anwesend. Weitere  potenzielle Auslober nutzten dieses Angebot leider nicht.

Sie finden den kompletten Vortrag als PDF im Anhang.