PRESSEMITTEILUNG

Saarbrücken, 28.07.2022

Architektenkammer des Saarlandes fordert eine „Umbauordnung“

Uns steht ein kalter, teurer Winter bevor. Durch die gedrosselte Gaszufuhr russischer Pipelines ist Gas nach Aussage der Bundesregierung „ein knappes Gut“. Wir alle müssen sparen, und zwar vor allem eins: Energie. Ein hohes Einsparpotenzial bietet der Bausektor. Er ist weltweit für fast 40 % der CO2-Emissionen verantwortlich und spielt demnach bei der Energiewende eine entscheidende Rolle. Wichtige Aspekte sind Sanierungen und das Bauen im Bestand. Die Architektenkammer des Saarlandes (AKS) fordert hierfür eine Umbauordnung.

„Wir sollten konsequent den Erhalt der im Bestand gebundenen grauen Energie forcieren“, appelliert Alexander Schwehm, AKS-Präsident. Diese Energie wurde bereits verbraucht zum Gewinnen von Baustoffen, zum Herstellen und Verarbeiten von Bauteilen, bei Transport und Lagerung, zum Einbau von Bauteilen im Gebäude sowie zur Entsorgung. Nutzen wir den Bestand mit seiner gebundenen grauen Energie, müssen wir diese Energie nicht erneut aufbringen. „Mit einer neuen Umbaukultur können wir durch das Bauen im Bestand Ressourcen schonen und bestehende Potenziale der Nachhaltigkeit nutzen“, so Schwehm weiter.

Notwendig wird dabei eine „Umbauordnung“, da die Vorgaben der Landesbauordnung beim Bauen im Bestand nicht immer zwingend eingehalten werden können. Gerade im Saarland überwiegen in den letzten Jahren Nutzungsänderungen als Bauaufgaben. „Wir Architektinnen und Architekten stoßen in unserem praktischen Arbeitsalltag nur allzu oft an die Grenzen gesetzlicher Regelungen – Brandschutz, barrierefreies Bauen, Denkmalschutz oder Arbeitsschutz betreffend. Zum Beispiel werden barrierefreie Zugänge gefordert, die bei einem Bestandsgebäude meist nicht herstellbar sind oder es sollen hohe brandschutztechnische Auflagen umgesetzt werden, die das Sanierungsobjekt nicht erfüllen kann und für die neue Nutzung auch oft nicht braucht“, erläutert der Präsident. Die Folge ist, dass Gebäude leer stehen oder abgerissen werden, um Platz für einen (Ersatz-)Neubau zu schaffen.

Es klingt zunächst widersprüchlich: Die gesetzliche Regulierungswut soll durch ein weiteres Gesetz reduziert werden. Der Präsident ist sich sicher: „Eine Umbauordnung kann überzogene Bürokratie abbauen. Sie kann das Bauen preiswerter machen und Genehmigungsprozesse beschleunigen. Die Landesbauordnung bildet das Bauen im Bestand nicht ab und verhindert es im schlimmsten Fall sogar. Das ist fatal! Wir brauchen den Bestand, wir müssen die bereits verbaute Energie nutzen, um dem Klimawandel und russischen Machthabern die Stirn zu bieten.“

Kontakt:

Stv. AKS-Geschäftsführerin Kim Ahrend,
Pressereferentin Maria Balzert,
T. 0681 – 954410, presse@aksaarland.de