In Anbetracht der Defizite im Bewerbungsverfahren um die Leitung des Saarbrücker Baudezernats fordert die Architektenkammer des Saarlandes eine Neuausschreibung der Stelle.

Die Diskussion um die Besetzung der Stelle des Baudezernenten ist zu einer medialen Schlammschlacht geworden, die sich auch in juristischen Auseinandersetzungen – verwirklichten und angedrohten - offenbart. Dabei wird im Wesentlichen über Mängel, Fehler und Versäumnisse in Zusammenhang mit dem Bau des Ludwigsparkstadions und eines Vergabeverfahrens gestritten. Ob der von Oberbürgermeister Uwe Conradt favorisierte Bewerber Rechtsanwalt Martin Welker fachlich überhaupt als Baudezernent geeignet ist, welche Vorstellungen er zu Stadtentwicklung, zu verkehrsplanerischen Konzepten oder zu der neuen, durch die Corona-Pandemie bedingten Entwicklung der Urbanität hat, wird nicht thematisiert. „Dies wird der Bedeutung der Position des Baudezernenten einer Landeshauptstadt nicht gerecht.“, sagt Alexander Schwehm, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes.
 
Selbst wenn Welker am 05.11.2020 nicht als Baudezernent gewählt würde, sieht Schwehm Schaden auf die Landeshauptstadt Saarbrücken zukommen. „In diesem Fall würde zum einen das Verfahren verzögert. Zum anderem ist Rechtsanwalt Welker offensichtlich die erste Wahl des Oberbürgermeisters. Wird Welker nun nicht gewählt oder zieht er seine Bewerbung zurück, besteht die Gefahr, dass der Oberbürgermeister mit seiner zweiten oder dritten Wahl zusammenarbeiten muss - und das für 10 Jahre“ gibt Schwehm zu bedenken.
 
Überdies leidet das laufende Bewerbungsverfahren unter dem Manko, dass Oberbürgermeister Conradt bereits 6 Tage vor Ablauf der Bewerbungsfrist seinen Wunschkandidaten, Rechtsanwalt Welker, präsentierte. Möglicherweise hat das die eine oder andere fachlich geeignete Person davon abgehalten, sich zu bewerben.
 
Die Besetzung der Stelle des Baudezernenten betrifft eine Schlüsselstelle in der städtischen Verwaltung, die nicht aus Gründen der Parteidisziplin, sondern aufgrund von sachlich-fachlichen Erwägungen und aus einem ordnungsgemäß durchgeführten Bewerbungsverfahren heraus erfolgen sollte.
 
Die Architektenkammer des Saarlandes appelliert an die Vernunft der politischen Mandatsträger der Landeshauptstadt Saarbrücken und sieht zur Gewährleistung der Wahl eines unbelasteten und fachlich kompetenten Baudezernenten eine Neuausschreibung als unumgänglich an.
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