PRESSEMITTEILUNG
Saarbrücken, 23.04.2021

Galoppierende Baustoffpreise: Architektenkammer des Saarlandes plädiert für einheimische Baustoffe

Die Preise für Baustoffe steigen rasant. Preissteigerungen von 30 % für Neubauten und Sanierungen sind die Folge. „Das wird sich auf die gesamte Wirtschaft auswirken“, meint Alexander Schwehm, Präsident der Architektenkammer des Saarlandes (AKS).

Architekten berichten, dass die Preise für Baustoffe explodieren, zum Teil sogar über 50 % gestiegen sind. Gründe für diese Entwicklung werden viele genannt; etliche beruhen darauf, dass Baustoffe aus Drittländern importiert werden.
Schwehm fordert: „Wir haben Baustoffe im Land. Es muss Schluss damit sein, dass auf Baustoffe aus Drittländern zurückgegriffen wird, weil diese vermeintlich günstiger sind. Diese Entwicklung muss sofort gestoppt werden: Wir plädieren für
die Verwendung einheimischer Rohstoffe und Baustoffe. Wir müssen von der Abhängigkeit von Baustoffherstellern außerhalb Europas wegkommen.“

Es entstehen erhebliche Kostensteigerungen für Bauwerke. Kann oder will der Bauherr diese Mehrkosten nicht zahlen, muss – soweit nach Baufortschritt noch möglich – mit anderen Materialien vollkommen neu geplant werden, was wiederum zu einem erheblichen Mehraufwand verbunden mit erheblichen Mehrkosten auf Seiten der Planer führt. „Es kann nicht sein, dass diese Mehrkosten, die von der Preissteigerung bei Baumaterialien verursacht sind, von Architektinnen und
Architekten getragen werden müssen“, sagt der Kammerpräsident.

Er sieht jedoch auch gesamtwirtschaftliche Folgen: „Stellen Sie sich vor, ein Bauherr plant ein Einfamilienhaus für 400.000 € und erhält von seiner Hausbank eine darauf basierende Finanzierung nebst Absicherung durch Grundpfandrechte. Tritt dann nach Baubeginn eine Erhöhung der Baustoffkosten um 30 % ein, entstehen allein durch die Baustoffverteuerung Mehrkosten in Höhe von 120.000 €. Hat der Bauherr diese nicht frei zur Verfügung, muss er entweder nachfinanzieren oder der Bau wird nicht fertiggestellt. Da der Bauherr weiter in Miete wohnen muss, können Kredite nicht bedient werden, und die Banksicherheiten werden für ein halbfertiges Bauwerk nicht validieren.“

Zudem enthalten jetzt schon Angebote von Baustofflieferanten keine bezifferten Preise mehr, vielmehr liest man „zum Tagespreis“. Dadurch werden die Baukosten auf Dauer unkalkulierbar und Baukostenberechnungen von Architekten können nur
tagesaktuell erfolgen. Es ist abzuwarten, auf welcher Grundlage die Banken unter diesen Umständen Bauten finanzieren werden.