1. März 2012 - Politiker diskutierten bei der AKS

1. März 2012 - Politiker diskutierten bei der AKS

Meldungen, Veranstaltungen

Hubert Ulrich, Heinz Bierbaum, Gisela Kolb, Oliver Luksic, Günter Heinrich, Dr. Ilka Desgranges
Anlässlich der Landtagswahl im März hatte die AKS ihre Forderungen an die Politik formuliert – die sog. Wahlprüfsteine. Diese waren Grundlage einer Podiumsdiskussion, zu der prominente Vertreter aller fünf im Landtag vertretenen Parteien ins Haus der Architekten kamen: Prof. Heinz Bierbaum (Die Linke), Günter Heinrich (CDU), Gisela Kolb (SPD), Oliver Luksic (FDP) und Hubert Ulrich (Bündnis 90/Die Grünen).

Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Ilka Desgranges (Saarbrücker Zeitung – Leiterin der Regionaldirektion Mitte). In seiner Begrüßung unterstrich Kammerpräsident Prof. Heiko Lukas, dass es bei den Wahlprüfsteinen „um nichts weniger als die berufsexistenziellen Belange der Kammermitglieder" gehe.

Breiten Raum nahm das Thema Wettbewerbe / VOF-Verfahren und Bewerbungshürden ein. Alle Podiumsteilnehmer sprachen sich für die Auslobung von (mehr) Wettbewerben durch die öffentliche Hand aus und plädierten dafür, die Messlatte für eine Teilnahme - auch junger und kleiner Büros - nicht zu hoch zu legen. Günter Heinrich sprach sich dafür aus, bei Großprojekten entsprechende Erfahrung und Bewerbungshürden vorzusehen, was zu zahlreichen kritischen Erwiderungen der AKS-Mitglieder führte.

Diese bemerkten etwa, dass auch saarländische Architekten sehr wohl in der Lage seien, einen Museumsbau zu planen und beklagten, dass durch mangelnde Bewerbungschancen das Know-How schwinde und gute Mitarbeiter abwanderten. Wettbewerbe seien das einmalige Angebot des Berufsstandes, für eine Bauaufgabe eine Vielzahl von Ideen zu liefern und auch bei kleinen Bauaufgaben mit einer begrenzten Teilnehmerzahl sinnvoll. Auch junge Büros seien in der Lage, komplexe Bauaufgaben zu planen, wofür noch heute der Flughafen Berlin-Tegel von Gerkan, Marg und Partner stehe. Dass bei einem so umstrittenen Projekt wie dem Franzenbrunnen kein öffentlicher Wettbewerb stattgefunden habe, wurde ebenfalls kritisiert. Es sei nicht zutreffend, dass es im Saarland keine Architekten und Stadtplaner gebe, die dafür ausreichend Erfahrung mitbrächten. Baukultur sei nur zu erreichen, wenn die öffentliche Hand privaten Bauherren als Vorbild diene.
Alle Abgeordneten befürworteten eine Intensivierung des Dialogs, sei es zwischen Politik und Architektenkammer oder sei es die Bürgerbeteiligung bei wichtigen (Bau-)Vorhaben. Günter Heinrich regte an, einen runden Tisch mit Vertretern aus Politik und AKS einzurichten, was bereits vom Kammervorstand initiiert wurde. Insbesondere von Hubert Ulrich wurde ein vielfach von der AKS genanntes Problem angesprochen: die fachliche Qualifikation bzw. unzureichende personelle Ausstattung der saarländischen Bauverwaltungen. Er prangerte das „Unwesen der Projektsteuerer", das Generalübernehmertum und die PPP-Verfahren an. Prof. Heinz Bierbaum mahnte, dass die Planung nicht von Investoren bestimmt werden dürfe.

Abschließendes Thema war die Qualität der Schulgebäude. Oliver Luksic empfahl, auch für Schulen KfW-Mittel bereit zu stellen. Ein Schwerpunkt für Gisela Kolb waren die Themen Barrierefreiheit und Integration. Nur mit finanzieller Hilfe des Bundes sei es für Kommunen machbar, (bestehende) Schulen barrierefrei zu gestalten. Dies bekräftigte auch Prof. Bierbaum und stufte die bisherige Finanzausstattung als Mangelverwaltung ein. Hubert Ulrich bezeichnete den Schulbau als trauriges Thema. Neue Schulen würden im Saarland häufig nach veralteten Konzepten gebaut und auch der Lärm in Schulen sei häufig ein Problem.

Es bleibt zu hoffen, dass den Worten der Politiker Taten folgen. Eine Fortsetzung und Intensivierung des Diskurses zum Wohle der saarländischen Architekten und Baukultur ist in jedem Fall angesagt!

Die Forderungen der AKS zur Landtagswahl finden Sie hier.


15.03.2012
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