IBA für alle - Erstes öffentliches Symposium in der Findungsphase zur IBA:Saar+ - Resümee

IBA für alle - Erstes öffentliches Symposium in der Findungsphase zur IBA:Saar+ - Resümee

Meldungen, Veranstaltungen

Podiumsteilnehmer (v. l.): Ulrich Pantle, Stefan Ochs, Sonja Beeck, Igor Torres
Foto: L. Schmidtpeter


Nachbarschaft, Gemeinsamkeit, alles auf engem Raum: Im kleinen Saarland sind sich die Menschen trotz geringer Einwohnerdichte (400 Einw./km2) besonders nah. Sollten sie zumindest sein, doch leider fehlt es uns im Saarland manchmal am Wir-Gefühl.

Den Auftakt eines Prozesses, der das Wir-Gefühl stärken kann, bildete das Symposium IBA:JETZT am 29. Juni 2012 an der HTW des Saarlandes, Schule für Architektur Saar, in Saarbrücken. Eine IBA – Internationale Bauausstellung – für das Saarland wünscht sich nicht nur Initiator und Architekturprofessor Stefan Ochs (s. DAB-Regionalausgabe 04/2012). Er hat schon viele von seiner Idee begeistert und möchte mit dem Symposium das Prinzip IBA bekannt machen sowie ausloten, wie stark das anfängliche Interesse bei Politik, Architekten und Bürgern ist.

Bei einem Wir-Gefühl geht es vor allem um Image und Identität. Davon sprach auch Kammerpräsident Prof. Heiko Lukas in seinem Grußwort (weitere Grußworte: Prof. Dr. Enrico Lieblang, Prorektor HTW und Daniel Kempf, Ministerium für Finanzen). Gemeinsam mit Vizepräsident Willi Latz hatte er auf der Bauamtsleiterkonferenz im Juni das Thema „Baukulturelle Identität im Saarland" erläutert, und es wurde diskutiert, wie diese gefördert werden kann. Förderung der regionalen Baukultur im Saarland? Wäre das nicht schon ein IBA-Projekt?

Doch langsam. Es geht nicht darum, Projekte zu benennen, die in den Rahmen einer IBA passen könnten. Stefan Ochs referiert über Potenziale und Strategien, Image und Identifikation. Er stellt die Frage: „Das Saarland, El Dorado oder Endstation?" In dieser Gegenüberstellung wird deutlich, wie schnell ein Image kippen kann. Dass das nicht sein muss, erläutert Ochs durch das Aufdecken der Potenziale und Ressourcen des Landes. Er rügt dabei das Kirchturm-Denken. Denn es fehlt noch an Synergien, am Wir-Gefühl.

Ochs plädiert für eine „Charta für die Entwicklung des Saarlandes". So geschehen auch bei den zehn Handlungsfeldern des Biosphärenreservats Bliesgau. Denn er ist sich sicher, die IBA sei DAS Instrument für eine nachhaltige Landesentwicklung. Sie stünde für Transparenz und Partizipation, sei eine Qualifikationsmaschine zur Entwicklung, Koordination und Evaluierung von Projekten und leiste damit den Schritt vom Ich zum Wir.

Den Gedanken der Qualifikationsmaschine hat Stefan Ochs von Dr. Sonja Beeck aus Berlin. Sie war leitende Mitarbeiterin der IBA Sachsen-Anhalt von 2002-2010. Sie ist die zweite Referentin und berichtet von ihren Erfahrungen aus der IBA-Zeit in einem Teil Deutschlands, der ebenfalls einen Strukturwandel vollzieht. Nach Sonja Beeck braucht eine IBA zwar ein Problem, aber noch keine fertige Vision. Zu Beginn werden Akteure gesucht, sowohl in der Politik als auch bei den Bürgern. Das ist die Findungsphase, da stecken wir schon mitten drin! Danach sorgt ein IBA-Büro dafür, dass aus einzelnen Ideen eine IBA wird. Es fungiert als Schnittstelle, bringt die Akteure zusammen, moderiert Prozesse, organisiert Wettbewerbe, akquiriert Fördergelder. Vieles kann durch die sogenannten Sowieso-Kosten finanziert werden, aber ein Budget muss es trotzdem geben. In Sachsen-Anhalt standen pro Jahr eine Mio. Euro für das IBA-Büro bereit. Die waren gut angelegt, denn insgesamt haben die Beteiligten über 200 Mio. Fördergelder projektiert!

„IBA-Projekte sind die Motoren des Prozesses" zu einer nachhaltigen Landesentwicklung. Das müssen nicht nur Bauprojekte sein, es geht auch um Städtebau, Landschaftsplanung, Platzgestaltung, Kunstprojekte. Selbst der Work-Flow von Landesämtern blieb in Sachsen-Anhalt nicht unangetastet und wurde verbessert. Sonja Beeck betont, dass es am Ende immer ein Projekt geben müsse. Veranstaltungen mit reiner Präsenz werden auf Dauer nichts bringen. Sie erzählt von Tanzworkshops, IBA-Talks in leerstehenden Garagen, IBA-Dinners, Foto-Sessions. Ziel war es immer, in lockerer Atmosphäre einen Dialog zu initiieren, Netzwerke anstelle von Kirchturm-Denken zu schaffen.

Internationale Bauausstellung: Der Austausch über Grenzen hinweg ist wichtig. Sonja Beeck rät, die IBA im Saarland zu beginnen und zu schauen, ob sie auf unsere Nachbarn in der Großregion ansteckend wirkt. Das + im Arbeitstitel „IBA:Saar+" steht nicht nur für Lothringen und Luxemburg, es könnte auch Rheinland-Pfalz angesprochen sein. Denn das Durchführen einer IBA wurde dort bereits diskutiert. Das erfahren wir aus einer Wortmeldung bei der abschließenden Podiumsdiskussion, die Architekturprofessor Dr. Ulrich Pantle leitet. Hier wird auch lobend erwähnt, dass die IBA von der Hochschule aus startet. Dadurch werden die interdisziplinären Potenziale der HTW optimal genutzt. Die Wortmeldungen aus dem Publikum sind zahlreich, die Diskussion dauert länger als die Vorträge und das an einem Freitag Nachmittag. Der Dialog klappt bereits, das Interesse ist groß! Eine IBA ist eine gute Plattform gegen Kommunikationsprobleme, sie verbindet, es entsteht ein Wir-Gefühl. Deswegen zum Schluss erneut Stefan Ochs‘ Aufruf aus der April-Ausgabe des DAB: „Beteiligt euch!" (www.iba-saar.eu ; www.facebook.com/klub iba:saar+)


Kim Ahrend, Dipl.-Ing. Architektin und Architekturjournalistin in Saarbrücken


24.07.2012
Meldungen, Veranstaltungen
Diese Webseite verwendet Cookies…

dabei werden ausschließlich solche Cookies verwendet, die technisch notwendig sind.

Diese Webseite verwendet Cookies…

dabei werden ausschließlich solche Cookies verwendet, die technisch notwendig sind.

Ihre Einstellungen wurden gespeichert